30. Dezember 2017

„Stuhltransplantation“ – Kapseln gleichwertig wie Darmeinlauf

Stuhltransplantation ist ein in der Medizin neues Konzept zur Behandlung von Störungen in der Zusammensetzung der Darmflora. Seit einigen Jahren wissen wir, dass die Bakterien im Darm eine grosse Zahl wichtiger Funktionen aufweisen. Sie beeinflussen unser Immunsystem und werden mit verschiedenen Darm- und anderen Krankheiten in Verbindung gebracht.

C-diff-Colitis: Erfolg durch Stuhltransfer
Die am besten dokumentierte Anwendung der Stuhltransplantation kennen wir bei Personen mit C.difficile Colitis. Dabei handelt es sich um eine massive Vermehrung der Clostridien (C. difficile) meist als Folge einer Antibiotika-Therapie. In diesen Fällen ist die Zusammensetzung der Darmflora (das „Mikrobiom“) massiv gestört. Die klassiche Behandlung ist die Gabe eines Antibiotikums; sie führt oft zur korrektur der Dysbalance im Mikrobiom. Doch die Erkrankung neigt zu Rezidiven.

Bei Patienten mit rezidivierender C.-diff. Colitis hat sich die Behandlung durch „Mikrobiom-Transfer“ als hoch wirksame Methode erwiesen. Sie zeigt erfolgreiche Behanlung in über 90% der Fälle und deutlich geringeren Rezidivraten. Dabei wird den betroffenen Patienten Stuhl von gesunden Probanden übertragen. Die ersten Versuche erfolgten durch Darmspiegelung oder hohen Einflauf. Noch fehlen gute, standardisierte Verfahren und die optimale Spender-Auswahl und Aufbereitung der Stuhlproben ist noch Gegenstand der Forschung.

Kapseln anstatt Darmspiegelung
Eine möglichkeit zur Vereinfachung des Verfahrens ist die Gabe des Spender-Mikrobioms durch Kapseln anstatt durch die Aufwändige Darmspiegelung. Eine kürzlich im JAMA veröffentliche randomisierte Studie hat die beiden Methoden (Oral vs. Coloskopie) bei Patienten mit rezidivierender C-diff-Colitis miteinander verglichen.

Randomisierte, kontrollierte Studie
In drei kanadischen Zentren wurden insgesamt 116 Patienten randomisiert entweder mit Stuhlkapseln oder mit Einlauf mittels Darmspiegelung behandelt. In beiden Behandlungsgruppen war der Therapieerfolg mit 96% (keine Rezidive mehr!) hervorragend. In der Gruppe mit Darmspiegelung zeigten sich deutlich häufiger unerwünschte Nebenwirkungen. Die Kapsel-Behandlung wurde angenehmer beurteilt als die Spiegelung: 66% der Patienten in der Kapsel-Gruppe beruteiliten die Behanldung „in keiner Weise unangenehm“ (verglichen mit 44% bei Darmspiegelung).

Bei allen Patienten wurde auch die Zusammensetzung der Darmflora vor und nach Behandlung beurteilt. Allgemein wird angenommen, dass eine hohe Diversität des Mikrobioms (Zusammenstzung der Darmbakterien) gesund ist. Diese Diversität wird mit dem „Shannon-Index“ gemessen.

Tatsächlich zeigte sich auch in einer Analyse in einem Zentrum dieser Studie, dass der Shannon-Index nach Stuhltransplantation deutlich anstieg, praktisch auf Werte wie bei den sieben Spenderstuhlproben, und dass dieser hohe Wert auch noch drei Monate nachher erhalten blieb (s. Abbilung: FMT: Fäkaler Mikrobiom-Transfer). Und auch hier zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen.

Kommentar
Die Stuhltransplantation (oder FMT) dürfte in Zukunft nicht nur bei der Behandlung von C.-diff-Colitis eine grosse Bedeutung erlangen. Daher ist es gut zu wissen, dass die deutlich einfachere orale Verabreichung in Kapselform das Mirkobiom genauso gut verbessert wie wenn die Stuhlproben direkt in den Darm verabreicht wird.

 

Foto von brian.gratwicke


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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