20. Dezember 2016

Syphilis bei HIV – Verlauf ähnlich wie ohne HIV-Infektion

Syphlilis früher…..
Ja, früher haben  wir gelernt, dass die Syphilis bei HIV-positiven Personen komplizierter verläuft, dass die Diagnostik schwieriger ist und dass die Therapie manchmal intensiviert werden muss. Speziell die Neurosyphilis, also die Form, bei der die Syphilis das Gehirn befällt.

…und heute
n den lezten Jahren hat sich manches verändert, insbesondere die Therapie der HIV-Infektion. Heute können fast alle HIV-infizierten Menschen unter einer Therapie praktisch ein normales Leben führen, da sich auch das Immunsystem fast „normalisiert“. Die Folge ist, dass auch das Management der Syphilis bei einer HIV-Infektion praktisch „normal“ wird.

Augenbefall – Spezialform der Neurosyphilis
Der Befall der Augen ist relativ häufig bei der Syphilis und eine typische Frühform der Neurosyphilis (der Augenhintergrund gehört auch zum Zentralnervensystem). Eine Japanische Studie hat nun Fälle mit okulärer Syphilis bei HIV-positiven Männern beobachtet und die Prognose untersucht. Dabei zeigt sich, dass diese Form der Syphilis auch bei HIV-positiven Menschen recht günstig abläuft, sofern man die Diagnose rechtzeitig stellt. Das Leitsymptom ist der Visusabfall. Findet sich eine Sehstörung, sollte man recht schnell die Diagnose stellen. Erfolgt dies in den ersten 4 Wochen (s. Abbildung, Schwarze Linie) so ist die Erholung der Sehschärfe  recht wahrscheinlich.

Syphilis_Dez16

Wichtig bleibt für uns: Augensymptome bei HIV positiven Menschen (wie sonst auch) ernst nehmen und insbesondere bei sexuellem Expositionsrisiko an Syphilis denken.

Foto von internets_dairy


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

Ähnliche Beiträge

Mykoplasmen – Geschlechtskrankheit oder nicht?

Mykoplasmen sind wie Chlamydien "unvollständige" Bakterien, die für ihre Vermehrung Unterstützung von Zellen benötigen. Daher sind diese Bakterien nicht wie sonst üblich auf...  Mehr

Kardiovaskuläres Risiko und Lopinavir / Ritonavir

Metabolische Veränderungen, insbesondere Hypercholesterinämie, Hypertriglyceridämie und Insulinresistenz sind unter HAART bekannt. Wie verhält sich dazu das kardiovaskuläre...  Mehr