8. Juli 2016

Neurologische Probleme häufig bei akuter HIV Infektion

Die akute (oder primäre) HIV Infektion manifestiert sich oft mit Fieber und weiteren Symptomen auf Haut, Schleimhaut oder im Gastrointestinaltrakt. Nun hat eine grosse, internationale Studiengruppe (SEARCH) herausgefunden, dass neurologische Manifestationen häufiger sind als bisher angenommen.

Die Studie in Kürze
Es wurden 139 Patienten mit einer ganz frischen HIV-Infektion in diese Studie eingeschlossen. Die Dauer der Infektion war knapp 3 Wochen (3-56 Tage). Diese Patienten wurden sehr ausführlich auf das Vorhandensein von neurologischen Symptomen und Befunden untersucht. Von allen Patienten wurde auch Liquor (Hirnflüssigkeit) abgenommen und untersucht.

Erstaunlich häufige Befunde
Bei mehr als 50% der Patienten fand sich ein oder mehrere neurologische Befund(e), wobei diese häufiger auftraten bei Patienten mit höherer Viruskonzentration im Blut. Dazu gehörten Störungen der Wahrnehmung, motorisch oder andere Ausfälle. Nur der geringste Teil der Beschwerden persistierte nach Aufnahme der Therapie länger als einen Monat. Praktisch alle Befunde wurden als mild eingestuft, womit auch erklärt wird, dass diese Befunde meistens übersehen oder verpasst werden. In der systematischen MRI-Untersuchung fand sich keine strukturelle Veränderung.

Kommentar
Neurologische Symptome (insbesondere zusammen mit Fieber) müssen immer an eine HIV-Primoinfektion denken lassen. Sie sind häufiger, als wir allgemein annehmen, aber glücklicherweise auch meist mild. Offenbar gelangt das HIV Virus sehr früh während der Infektion ins Gehirn. Eine rechtzeitige Therapie verhindert das Fortschreiten von Neurologischen Manifestationen.

 


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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