22. Juli 2016

HIV-postive Mütter: Stillen möglich unter Therapie

Gestern wurde an der World AIDS Conference in Durban ein wichtiges Poster vorgestellt zur Frage des Stillens bei HIV-positiven Müttern. Seit Jahren wissen wir, dass Menschen, die eine gut durchgeführte HIV-Therapie einnehmen, ihre Sexualpartner nicht infizieren können. Auch über Blut (z.B. Nadelstichverletzung) kommt es in dieser Situation nicht zur Übertragung. Gilt dies auch für die Übertragung durch Stillen von der HIV-postiven (behandelten) Mutter auf das stillende Kind?

Stillen als Transmissionsrisiko
Aus früheren Studien wissen wir, dass auch beim Stillen ein gewisses Risiko einer HIV-Übertragung besteht. Doch es gibt eigentlich keine Fallberichte über HIV-Übertragungen, wenn die Mutter eine gut wirksamen HIV-Therapie einnimmt. Kann man denn einer Mutter zum Abstillen raten, wenn man gar nicht weiss, ob es tatsächlich unter diesen optimalen Bedingungen zur Übertragung kommt? Das Thema wird zur Zeit auch unter Schweizer Experten aktiv diskutiert.

Studie macht Klarheit
Die WHO empfiehlt insbesondere Frauen in Entwicklungsländern ihr Kind zu stillen. Dies deshalb, weil das Risiko durch das Abstillen wegen Infektionskrankheiten infolge mangelnder Wasserhygiene grösser ist als das das Risiko einer HIV-Übertragung durch Stillen. Das „PROMISE“ Konsortium hat daher diese Studie in Länder der Sub-Saharazone und in Indien durchgeführt. Es wurden knapp 2500 Mütter, welche während der Schwangerschaft bereits unter einer HIV-Therapie standen, einem von zwei Behandlungsstrategien zugeteilt: Entweder Fortsetzung der Therapie der Mutter oder eine Präventive Behandlung der Säuglinge mit Nevirapine für die Dauer der Stillperiode.
Therapie ermöglichst normales Stillen
In beiden Behandlungsarmen liess sich durch die Therapie die Übertragung praktisch vollständig verhindern. Nach 12 Monaten wurden 0.6% der Kinder infiziert. Die ungeachtet der Wirksamkeit der Therapie und ob die Mütter die Therapie wirklich regelmässig eingenommen hatten. Noch sind die Daten zur Wirksamkeit der Therapie noch nicht ausgewertet. Es wird interessant sein, wenn wir bei erfahren werden, wie die Therapie der Mütter war in den Fällen, in denen es zur HIV-Übertragung auf das Kind kam.

Das Resultat der Studie bestätigt die WHO-Empfehlung, wonach eine HIV-positive Mutter unter einer HIV-Therapie besser stillt, als dem Kind unhygienisch zubereitete Milch gibt. Wie die Resultate der Studie auch in den Schweizerischen Empfehlungen umzusetzen ist, wird im Moment noch diskutiert.

Foto von danielpeinado.photo


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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