31. März 2016

Schwangerschaft: Grippeimpfung halbiert Totgeburtsrate

Viele Frauen haben während einer Schwangerschaft verständlicherweise Respekt vor einer Impfung. Doch die Grippeimpfung ist offensichtlich viel besser als ihr Ruf, wie eine kürzliche Studie aus Australien vermuten lässt. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass schwangere Frauen während einer Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko haben, an einer schweren Verlaufsform der Grippe (Influenza) zu erkranken. Deshalb empfehlen wir allen Schwangeren (in den Wintermonaten) eine Grippeimpfung. Viele Frauen haben jedoch Angst, der Eingriff könnte dem Kindswohl schaden. Die Australischen Forscher wollten das Risiko untersuchen und fanden nun das Gegenteil: Die Grippeimpfung die Zahl der Totgeburten um rund 50% zu reduzieren.

Wie wurde die Frage untersucht?
Die Autoren (Regan et al, CID, 30.3.16 online) haben in einer Population in Australien die Geburtenstatistik während 21 Monaten untersucht. Aufgrund von Registerdaten konnten sie unter den 58’000 Geburten gut 5000 Frauen(8.8%) identifizieren, welche während ihrer Schwangerschaft gegen Grippe geimpft wurden. Verglichen wurde in den beiden Gruppen (geimpft/nicht geimpft) die Rate von Totgeburten (nach Korrektur für andere Risikofaktoren wie Rauchen, Alter, etc.).

Impfung schadet nicht, sondern nützt dem Kind!
Insgesamt wurden während der Beobachtungsperiode 377 Totgeburten festgestellt. Nach Korrektur für andere Risikofaktoren fand sich in der Gruppe der Frauen, welche während der Schwangerschaft  geimpft wurden, eine halb so hohe Totgeburtsrate (Reduktion 51%, 95% CI 16-71%). Dies ist ein sehr deutliche Wirkung der Grippeimpfung. Noch grösser wurde der Effekt auf die Geburtensterblichkeit (Reduktion um 67%!), wenn nur die Geburten einbezogen wurden, welche unmittelbar nach der Grippesaison erfolgten. Diese Beobachtung bestätigt die biologische Plausibilität der Beobachtung. Denn tatsächlich ist die höchste Influenza Gefahr für Mutter und Kind infolge schwangerschafts-bedingter Immunsuppression in den letzten drei Schwangerschafts-Monaten am höchsten.

Umdenken tut Not!
Dies ist eine riesige, sorgfältig angelegte Studie. Und es zeigt sich in Australien offenbar dasselbe Bild wie bei uns: Weniger als 9% der Schwangeren lassen sich gegen Grippe impfen. Noch immer wird diese Erkrankung bagatellisiert. Und gerade schwangere Frauen, welche ja nur das Beste für Ihr Kind wünschen, wären gut beraten, hier umzudenken. Nicht nur für ihre eigene Gesundheit (wie wir schon lange wissen) sondern auch im Interesse ihres Kindes (was diese Studie überzeugend zeigt).

Eine Prävention kann einen Nutzen zeigen, doch man muss dies immer auch  mit dem Aufwand in einen Bezug setzen. Man kann das Resultat der Studie auch anders formulieren: Wir müssen ca. 650 Schwangere impfen (Kosten rund 15 Franken pro Impfung), um eine Totgeburt zu verhindern. Da kann jeder selbst urteilen, wie effizient diese Massnahme ist.

Foto von LeonArts.at


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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