25. Januar 2016

EKSG-Empfehlung zur PrEP – Ja, aber!

Über PrEP haben wir schon mehrfach berichtet. Es handelt sich um eine medikamentöse Prävention von HIV: Die Einnahme von Pillen, um eine Infektion zu verhindern. Also eigentlich wie die Malariaprophylaxe eine Chemoprophylaxe. Nun hat sich die Eidg. Kommission für Sexuelle Gesundheit (EKSG) dazu geäussert.

Über die HIV-PrEP wurde schon viel geschrieben. Kurz vor Weihnachten konnte ich schon im Beobachter meine persönliche Schlussfolgerung aus all den vielen Publikationen und Diskussionen zu Nutzen und Schaden der neuen Methode zusammenfassen. Nun liegt auch die offizielle Empfehlung der EKSG vor.

Gute Wirkung – nicht besser als Kondome
Die EKSG bestätigt auch die früheren Statements von anderen Stellen: Die PrEP wirkt, wenn sie richtig eingenommen wird praktisch gleich gut wie Kondome. Doch der Preis (bei durchschnittlich 4 Tabletten / Woche, wie in der Franzöischen Studie 500.- Fr. pro Monat) ist nicht unerheblich. Letztendlich dürfte sich der finanzielle Aufwand nur für die Personen lohnen, die von sich davon ausgehen, dass sie mehrfach pro Monat ein relevantes HIV-Ansteckungsrisiko eingehen. Man geht davon aus, dass ein hohes Ansteckungsrisiko vor allem besteht für Männer , die Sex mit Männern haben (MSM). Da es sich um eine Präventionsmassnahme handelt, werden die Medikamente von der Krankenkasse auch nicht bezahlt.

Wenn, dann richtig!
Die EKSG hat nebst den Kosten auch auf andere mögliche Probleme hingewiesen. HIV-Medikamente sind nie ganz ohne Nebenwirkungen. Wenn gesunde Personen nun solche Tabletten einnehmen, so wird es umso wichtiger, dass keine Langzeitschäden auftreten. Daher ist eine gute Überwachung bezüglich Nebenwirkungen, insbesondere Nierenschäden, notwendig. Auch muss bei einer Einnahme der PrEP sichergestellt sein, dass die Person selbst nicht bereits HIV infiziert ist. Das wäre ungünstig, denn unter der PrEP Behandlung würde das Virus der frisch infizierten Person rasch Resistenzen entwickeln und diese würden – wird die Infektion nicht entdeckt – beim hohen Risikoverhalten der Person auch vermehrt übertragen werden. Die Infektion mit einem resistenten Virus reduziert jedoch die Behandlungsmöglichkeiten und sollte daher unbedingt vermieden werden. Deshalb hat die EKSG in der Publikation sehr klar dargelegt, welche Sicherheitsmassnahmen und Kontrollen befolgt werden sollten.160125_PrEP_Durchführung

Prävention läuft gut
Wir haben in der Schweiz die komfortable Situation, dass die bisherigen Präventionsmassnahmen (Safer-Sex Methoden, rechtzeitige Diagnose und Behandlung von HIV-Infektionen) zu einem sehr hohen Erfolg gerade unter MSM geführt haben und die Neuansteckungen in dieser Gruppe zurück gehen. Wir tun gut daran, diese Massnahmen zu fördern. Eine zusätzliche Prävention durch Pillen könnte für eine kleine Gruppe von betroffenen Personen noch sinnvoll sein, doch es ist unwahrscheinlich, dass die recht teure Methode eine deutlichen Abfall der Neuinfektionen bewirken kann.

Quelle: Bulletin BAG, 25.1.2016


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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