2. Dezember 2015

Kurze Antibiotikatherapie bei abdominellen Infektionen

Komplizierte intraabdominelle Infektionen sind häufig, Komplikationsrate und Sterblichkeit sind relevant. Aktuelle Empfehlungen sehen nach chirurgischer Infekt-Kontrolle eine Antibiotikatherapie von nur noch 4-7 Tage vor, wobei viele Patienten eher 10-14 Tage lang Antibiotika erhalten. Muss das denn so lange sein? Eine amerikanische Multicenter-Studie sagt klar Nein!In einer multizentrischen Studie (STOP-IT Studie) an 23 nordamerikanischen Zentren wurden 2 unterschiedliche Antibiotikastrategien verglichen. Dazu wurden 518 erwachsene Patienten mit komplizierten Bauchinfekten eingeschlossen, bei denen der Infektherd chirurgisch oder interventionell-radiologischen behandelt wurden.

Einschlusskriterien waren ein abdomineller Infekt mit entweder Fieber, Leukozytose oder gastrointestinaler Dysfunktion aufgrund einer Peritonitis, die keine adäquate Nahrungszufuhr erlaubte. Ebenso musste eine erfolgreiche Fokussanierung erfolgt sein, die den Infektherd sanierte und eine anatomische Veränderungen wieder normalisierte.

Die Patienten wurden in 2 Gruppen randomisiert und erhielten dementsprechend nach erfolgreicher Fokussanierung entweder Antibiotika bis 2 Tage nach Normalisierung der physiologischen Parameter (Fieber, Leukozytose und enterale Ernährung, maximal jedoch 10 Tage) oder eine standardisierte Antibiotikatherapie von 4 Tagen. Die Wahl der Antibiotika wurde nicht eingeschränkt. Primärer Endpunkt war das Auftreten von postoperativen Infektionen (surgical site infection), Rezidiv des intraabdominellen Infekts oder Tod innerhalb von 30 Tagen.

In der Gruppe mit kurzer Therapie erlitten 22% einen der drei Endpunkte, exakt gleich viele wie in der Gruppe mit Standadtherapie bei signifikant unterschiedlicher Antibiotika-Dauer (4 vs. durchschnittlich 8 Tage, p<0.001).

Falls es jedoch zu einer postoperativen Infektion oder einem Rezidiv des intraabdominellen Infekts kam, trat dieser früher auf bei Patienten mit kurzer Antibiotikatherapiedauer. time_to_event_Sawyer_2015Die Autoren beurteilen dies, wie wir meinen zurecht, als weiteren Vorteil der kurzen Therapiedauer, da dadurch Komplikationen früher erkannt und die Gesamtbehandlungsdauer verkürzt werden kann.

Die Ergebnisse waren gleich, egal ob die Intervention chirurgisch oder perkutan als Drainage erfolgte und auch unabhängig, ob der Fokus eine Appendizitis war oder ein anderer.

Diese Daten bestätigen sowohl frühere Studien bei intraadominellen Infekten, die keinen Unterschied zwischen einer 3 und 5 tägigen Ertapenem-Therapie fanden als auch die aktuellen Guidelines der IDSA, die eine 4-7 tägige Therapie empfehlen.

Allerdings ist die Häufigkeit des primären Endpunkts ernüchternd. Unabhängig von der Therapiedauer hat jeder fünfte Patient eine relevanate Komplikation. Grund dafür dürfte eine unkontrollierte Inflammation nach Erregerbehandlung sein aber auch ein möglicherweise doch nicht vollständig sanierter Infektherd.

Limitation der Studie: Sie bezieht sich nur auf Patienten, bei denen die behandelnden Ärzte den Fokus als saniert beurteilten. Dies ist sicherlich der wichtigste Teil der Therapie.

Sofern dies jedoch der Fall ist, dürfen wir getrost eine kurze Therapiedauer empfehlen und damit den Selektionsdruck für Antibiotikaresistenzen reduzieren. Das Potential scheint enorm.


PD Dr. med Werner Albrich

Ähnliche Beiträge

Massiver Anstieg von Hepatitis A in Europa

Das Europäische CDC meldet einen massiven Anstieg von Hepatitis A-Fällen. Hepatitis A ist bei erwachsenen Menschen nicht immer harmlos und kann in seltenen Fällen auch zum...  Mehr