WM 2014 – Sind wir bereit für den Kick-off?

Logo WMIm Juni/Juli dieses Jahres findet die Fussball-WM in Brasilien statt. Sind wir gerüstet für die vielen Menschen, die uns vor der Reise zur Beratung aufsuchen oder gar nach der Beratung mit einer Infektionskrankheit zurückkehren?

Zwei Jahre nach der Fussball-WM folgt dann bereits der nächste sportliche Grossanlass in Brasilien: die Olympischen Sommerspiele 2016. Solche Sportanlässe ziehen Massen von Zuschauern an; die FIFA rechnet mit ca. 600’000 Zuschauern aus dem Ausland. Deshalb ist damit zu rechnen, dass Spitäler und Hausärzte in nächster Zeit gehäuft Personen vor einer Reise nach Brasilien beraten bzw. erkrankte Reiserückkehrer behandeln müssen.

Die häufigsten Infektionen bei Reiserückkehrern aus Brasilien
Eine Studie im CID beleuchtet anhand von Daten aus dem GeoSentinel Surveillance Network die häufigsten Erkrankungen und wichtigsten prophylaktische Massnahmen für Reisende nach Brasilien. Die Untersuchung umfasst alle dem Network gemeldeten Personen (n=1586), welche im Zeitraum von Juli 1997 bis Mai 2013 nach Rückkehr aus Brasilien erkrankt sind. Die drei häufigsten Beschwerdebilder waren dermatologische Syndrome (40%), Diarrhoe (25%) und Fieber (19%). Bei den Reiserückkehrern mit Diarrhoe wurde als auslösender Keim am häufigsten Giardia (9%) und Campylobacter (4%) nachgewiesen.

Hauterkrankungen
Hautbefunde bei Reiserückkehrern sind oft Zeichen einer Infektionskrankheit. Die Larva migrans cutanea war die in dieser Untersuchung mit 27% häufigste Ursache einer Hauterkrankung. Die Larve, die in der Haut ein juckendes, serpiginös verlaufendes Exanthem hinterlässt, kommt vor allem im Kot von Hunden und Katzen vor und wird hauptsächlich durch Kontakt mit kontaminiertem Sand übertragen. Über 90% der Hunde und Katzen in Sao Paolo sind mit Ancylostoma caninum oder brasiliense infiziert, 1/3 der untersuchten Sandproben aus der Nähe von Recife enthielten deren Larven.  Weitere Ursachen von dermatologischen Beschwerden waren  Insektenstiche (16%), Haut- und Weichteilinfektionen (15%) sowie deutlich seltener Myiasis (Fliegenmadenbefall), Tungiasis (Sandflohbefall) und kutane Leishmaniasis.

Malaria, Dengue und Gelbfieber
Die Ursache für fieberhafte Erkrankungen war in erster Linie unspezifischer Natur (37%), als häufigste Pathogene fanden sich Dengue (31%) und Malaria (8%). Im Gegensatz zur Malaria, welche in den Städten, in denen Fussballspiele ausgetragen werden, nicht vorkommt, werden Infektionen mit Dengueviren häufig auch in den Brasilianischen Grossstädten nachgewiesen.

Gelbfieber wurde bei keiner der erkrankten Personen diagnostiziert; bei Einheimischen wurden aber im Zeitraum von 1973 bis 2008 über 800 Fälle von Gelbfieber erfasst (Mortalität 51%). Denguefieber und Gelbfieber werden durch die gleichen Moskitoarten (Stegomyia) übertragen.

Empfehlungen für die reisemedizinische Beratung
Eine reisemedizinische Beratung umfasst nebst den Empfehlungen zu präventiven Massnahmen, Nahrungsmittelhygiene etc. auch eine Kontrolle und ggf. Ergänzung oder Auffrischung der  Grundimmunisierungen. Eine Gelbfieberimpfung wird für folgende Städte empfohlen: Belo Horizonte, Brasilia, Cuiaba, Manaus und Porto Alegro. Die Verschreibung eines Malaria-Notfallmedikaments ist nicht nötig, wenn die Person sich nicht ausserhalb der Städte aufhält und auch dann nur, wenn sie in den nordwestlichen Landesteil reist. Eine Impfung gegen Hepatitis A (evt. inkl. B) ist für ganz Brasilien indiziert. Weiter sollen die Reisenden darauf hingewiesen werden, dass viele, v.a. Insekten-übertragene durch  die Anwendung von Repellentien, das Tragen von langen Kleidern und Vermeiden von direktem Hautkontakt mit Sand verhindert werden können.


Dr. med Susy Ann Dietler-Shaw

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