Chinolone und Dysglykämien: was ist da dran?

 

Was ist  dran an der Dysglykämie unter Chinolonen? Dieser Fragstellung ist eine Gruppe um Hsu-Wen Chou aus Taiwan zwischen Januar 2006 und November 2007 in einer Kohorten-Studie mit Diabetikern nachgegangen.

Chinolone sind sehr potente Antibiotika und werden häufig (manchmal vielleicht zu häufig) verwendet (Stichwort: Selektion resistenter Bakterien). Tendinitis bis zur Sehnenruptur, aber auch mögliche QT Zeit Verlängerung kennen wir als mögliche Nebenwirkungen, nun wurde die Dysglykämie bei Chinolontherapie unter die Lupe genommen.

Studie:
78’433 Patienten mit D. mellitus, die ein Chinolon (Levofloxacin, Ciprofloxacin oder Moxifloxacin) oder ein orales Cephalosporin, resp. Makrolid Antibiotikum erhalten haben, wurden in die Studie eingeschlossen. Die Events wurden definiert als Vorstellung auf einer Notfallstation, respektive Hospitalisation aufgrund einer Dysglykämie (Hyper- oder Hypoglykämie).

Resultat:
215 Events mit Hyperglykämien und 425 Events mit Hypoglykämien wurden dokumentiert. Das absolute Risiko einer Hyperglykämie per 1000 Personen war 1.6 für Makrolide, 2.1 für Cephalosporine, 6.9 für Moxifloxacin, 3.9 für Levofloxacin und 4.0 für Ciprofloxacin. Im Gegensatz zur Hypoglykämie: 3.7 für Makrolide, 3.2 für Cephalosporine, 10.0 für Moxifloxacin, 9.3 für Levofloxacin und 7.9 für Ciprofloxacin. Moxifloxacin erhöhte das Risiko einer Hypoglykämie signifikant bei Patienten unter/mit Insulintherapie oder Therapie mit Sulfonylharnstoffen. Alle Fluorochinolone erhöhten das Risiko einer Hyperglykämie bei Patientin mit „nur“mit diätetisch eingestelltem D. mellitus, respektive Therapie mit Gliniden, Metformin, oder Thiazolidinedion.

Diskussion:
Hyper-und/oder Hypoglykämien sind häufiger bei Einnahme von Fluorochinolonen zu beobachten, verglichen mit oralen Cephalosporinen oder Makrolid Antibiotika. Unter den einzelnen Fluorochinolonen wurden auch Unterschiede dokumentiert. Moxifloxacin wurde am häufigsten für hypoglykäme Entgleisungen dokumentiert, gefolgt von Levofloxacin und Ciprofloxacin. Wie nicht anders zu erwarten, hatten natürlich weitere Komorbiditäten, wie z.B chronische Niereninsuffizienz, oder eben die antidiabetische Medikation, wie Insulin oder Sulfonylharnstoffe, einen weiteren Einfluss auf die Vulnerabilität der Glucose Homöostase.
Wie erklärt man sich die beschriebene Nebenwirkung? Es gibt in vitro – und Daten aus Tiermodellen, die zeigen, dass Chinolone die Insulinsekretion erhöhen via Blockade der ATP sensitiven Kaliumkanäle und das in dosisabhängiger Weise. Ein weiterer Ansatz (im Tiermodel) ist die direkte Stimulation zur Insulinsekretion der pankreatischen Beta Zellen. Und die Erklärung für die Hyperglykämie? Diese bleibe offen, wenngleich einige Tiermodelle wohl zeigen würden (gemacht mit Gatifloxacin), dass Gatifloxacin eine Verminderung von sekretorischen Granula in den pankreatischen Betazellen bewirke und dies zu einer verminderten Insulinsekretion führen würde.
Naürlich gibt es Limitationen in der Studie, z.B die Frage warum war eine anibiotische Therapie nötig (Art und Schwere der Infektion), eine schwere Infektion kann die Glucosehomöostase ja wie wir kennen per se beeinflussen etc…..

Konklusion:
Eine interessante Arbeit, die zeigt, dass wir auch an diese mögliche Nebenwirkung denken sollten, wenn wir bei Diabetikern Chinolone verschreiben

Quelle: Hsu-Wen Chou et al.; CID 2013:57


Dr. med. Christine Gutmann

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