Herpespille zur Verhinderung der Übertragung

Herpes genitalis ist für die betroffenen eine unangenehme Erkrankung. Neben den meist geringen Beschwerden von der in Schüben verlaufenden Krankheit abgesehen plagt viele die Angst, die Infektion auf den Partner zu übertragen. Gibt es einen Ausweg?

Prophylaktische Therapie hat sich kaum durchgesetzt
Tatsächlich haben Corey et al. vor exakt 10 Jahren gezeigt, das eine einmal täglich eingenommene Tablette Valaciclovir das Risiko einer Übertragung einer genitalen Herpes-Infektion um 75% reduziert. Doch der Aufwand war gross, denn eine Herpesübertragung ist nicht sehr häufig. In dieser über ein Jahr durchgeführten Placebo-kontrollierten Studie brauchte mussten 60 von häufig wiederkehrenden Herpesschüben Betroffene während einem ganzen Jahr täglich das Medikament einnehmen, um eine einzige Neuerkrankung beim Partner zu verhindern. Schon alleine die Kosten für die Medikamente sind mit 10’000.- CHF pro verhinderter Neuerkrankung immens.

Neues Herpesmedikament ausgetestet
Nun wurde ein neues Medikament (Pritelivir), ein sog. Helicasehemmer, in einer Dosisfindungsstudie mit Placebo verglichen. Dabei ging es (noch) nicht um die Verhinderung der sexuellen Übertragung. In dieser im NEJM publizierten Arbeit von Anna Wald et al. wurde zunächst mal untersucht, inwieweit die Behandlung überhaupt die Ausscheidung von Herpesviren im Genitaltrakt verhindern kann. Auch dies wurde schon bei Valaciclovir vorgängig untersucht (Gupta 2004). Die Behandlung konnte die Virusausscheidung auf 18% senken.

Ist das neue Medikament besser
Wald_HSVgenitalNatürlich können wir nur von der Virusmessung nicht erkennen, ob das Medikament ebensogut die Übertragung verhindern kann. Was die Dosisfindungsstudie deutlich zeigte: Der Effekt auf die Virusausscheidung im Genitaltrakt ist dosisabhängig, die höchste Dosis (täglich 75mg Pritelivir) schnitt am besten ab, besser auch als eine wöchentliche Dosis von 300mg. Die Wirkung der höchsten Dosis war aber nicht wesentlich besser als die früheren Resultate mit Valaciclovir (Virusausscheidung auf 13% reduziert).

Klinische Studie notwendig
Mit dieser sog. „surrogate-Marker“ Studie können wir mindestens postulieren, dass auch dieses Medikament eine Wirkung haben wird. Doch ehrlich gesagt habe ich wenig Hoffnung, dass von Herpes betroffene Personen diese Therapie einehmen würden. Und wer würde denn den Aufwand finanzieren? Es ist kaum anzunehmen, dass die Herstellerfirma das neue Medikament so günstig wie das heute als Generikum verfügbare Valaciclovir abgeben wird. Und dass die Krankenkasse einen noch höheren Preis als die 10’000.- pro verhinderte Infektion bezahlen wird, ist auch unwahrscheinlich.

Kommentar: Es bleiben die bewährten Mittel
Das soll nicht bedeuten, dass wir machtlos sind bei der Behandlung des genitalen Herpes. Vermutlich die vernünftigste Therapie ist die gut belegte Kurzbehandlung (s. unseren Bericht vom 20.8.2008). Wenn man bedenkt, dass man mit zwei Tabletten (früh bei Symptombeginn eingenommen) die Symptomdauer auf 3 Tage beschränken kann, scheint dies wohl für die meisten Betroffenen der einfachere Umgang mit der insgesamt milden Erkrankung.

Und dann noch das…
Im zitierten Artikel wird am Ende noch erwähnt, dass das klinische Entwicklungsprogramm von Pritelivir vorläufig gestoppt ist, weil Toxizitätsstudien (bis 1000mg pro kg!) bei Affen zu toxischen Wirkungen auf der Haut und in der Blutbildung führten. Doch der Entscheid dürfte nach vollständiger Analyse der Daten voraussichtlich aufgehoben werden, da die Dosen im Tierversuch doch excessiv hoch waren.


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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