Hepatitis C – Übertragung eher durch Tattoo als sexuell

Wir haben schon oft über die Übertragung des Hepatitis-C Virus (HCV) spekuliert. Es gibt immer wieder Spekulationen, wonach HCV zu den sexuell übertragbaren Viren gehört. Eine Schweizer Untersuchung schafft erneut Klarheit.

Übertragungswege von HCV komplex
Wir wissen, dass HCV durch Blut und Blutprodukte, auch durch Instrumente welche schlecht sterilisiert wurden, häufig übertragen wird. In den letzten Jahrzehnten wurde das Virus in der Schweiz vorwiegend unter intravenös Drogen konsumierenden Menschen übertragen. In einigen Fällen findet man aber keine plausible Ursache für die Übertragung und nimmt eine sexuelle Übertragung an. Der rasante Anstieg von HCV-Infektionen in den letzten Jahren bei Männern der Schweizerischen Kohortenstudie (SHCS), die Sex mit Männern haben (MSM), liess viele vermuten, dass HCV eben auch sexuell, oder mindestens beim Analverkehr übertragen wird (Wandeler 2012). Wäre dies so einfach, dann müsste man auch vermuten, dass die HCV-Epidemie sich auch bei HIV-negativen MSM in der Schweiz ausbreiten müsste. Doch dies scheint sich eben nicht zu bestätigen, wie die neuste Studie zeigt (Schmidt et al, 2014).

Aktives Testprogramm im Check-Point ausgwertet
Die Autoren haben am Checkpoint Zürich (ein Gesundheitszentrum für schwule Männer mit integrierter Beratung, Testung, und Behandlung) Männer systematisch zu Risikofaktoren für Hepatitis C befragt und auf HCV getestet. Die Autoren haben systematisch die Resultate von insgesamt 840 MSM ausgewertet. Erwartungsgemäss waren darunter nur wenige (n=19) HIV-positiv. Wie wir aus der SHCS-Studie wissen (Wandeler et al. 2012), hat in dieser Untergruppe schwuler Männer die Inzidenz von Hepatitis C in den letzten 10 Jahren massiv zugenommen. Entsprechend hoch war die relative Häufigkeit von Hepatitis C Co-Infektionen bei HIV-positiven Checkpoint Patienten (4/19=21.1%).

HIV-negative MSM nicht gefährdet
Interessanterweise findet sich nun aber bei HIV-negativen Männern (der Mehrzahl der getesteten eine HCV-Prävalenz, die nicht höher liegt als wir es für die Durchschnittsbevölkerung annehmen (eher geringer!). Risikofaktoren für eine HCV-Infektion bei diesen Männern sind jedoch eindeutig: Eine Herkunft aus einem Hochrisikoland (höchstes Risiko) oder aus dem Ausland, eine Tätowierung (höheres Risiko wenn im Ausland erfolgt) und der gebrauch von nicht intravenösen Drogen.

Number needed to test: Wie viele MSM müssten wir testen, um ein positives Resultat zu finden (verschiedene Szenarien: z.B: HIV-pos, tätowiert, NCUD: nicht intravenös drogensüchtig)

Number needed to test: Wie viele MSM müssten wir testen, um ein positives Resultat zu finden (verschiedene Szenarien: z.B: HIV-pos, tätowiert, NCUD: nicht intravenös drogensüchtig)

Risiko als NNTT dargestellt
Die Autoren haben die Daten auch elegant dargestellt, indem sie das Risiko einer HCV Infektion für verschiedene Szenarien als „Number needed to test“ (NNTT) dargestellt haben. Aus dieser Darstellung (s. Abbildung, klicken zur Vergrösserung) lässt sich dann auf der (logarithmischen!) Skala ablesen, wie viele MSM man auf HCV testen müsste, um in einem gezielten Screeningprogramm eine bisher nicht diagnostizierte HCV Infektion zu entdecken. Die Zahlen lassen vermuten, dass hier insbesondere bei MSM aus dem Ausland oder bei tätowierten die Effizienz eines Screeningprogrammes hoch sein dürfte.

Sexuelle Übertragung nach wie vor kein wesentlicher Faktor
Auch diese Untersuchung bestätigt einmal mehr (s. auch unseren Beitrag), dass HCV kaum sexuell übertragen wird, mit der Aussnahme der sexuellen Übertragung unter HIV-positiven MSM. Die Gründe für diesen Übertragungsweg sind nach wie vor spekulativ. Wir gehen davon aus, dass es vor allem traumatisiserende Sexualpraktiken sind, welche ein Risiko für eine Übertragung darstellen. Vermutlich, weil dabei eben auch Verletzungen mit Blutkontakt vorkommen. Wobei wir wieder bei den bekannten Übertragungswegen sind: Blut und Blutprodukte.


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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