HIV: früher Therapiebeginn gut für Knochen!

Eine US-Studie zeigt, dass das Risiko einer Osteoporose bei HIV positiven Patienten unter Therapie erhöht ist, wenn mit der Behandlung erst spät begonnen wird.

Langes Leben – Mehr Gebrechen!
Die antiretrovirale Therapie von HIV hat aus einer schweren tödlichen Krankheit eine chronische, behandelbare Erkrankung gemacht. HIV positive Personen können ein "normales" Leben mit guter Lebenserwartung führen. Mit dem zunehmenden Alter werden sie aber auch konfrontiert mit nicht HIV assoziierten Erkrankungen, wie zum Beispiel Osteoporose. In der Abbildung rechts sieht man die Folgen der Osteoporose: Die Knochenbälkchen, welche den Knochen stabilisieren, sind ausgedünnt.

HIV selbst verursacht Osteoporose
Die HIV-Infektion stimuliert das Immunsystem. Man weiss, dass die Aktivierung der Abwehrzellen auch zu einem beschleunigten Knochenabbau führt. Dazu kommt, dass die HIV-Therapie, insbesondere mit Tenofovir und Proteasehemmern, den Knochenverlust fördern. In den ersten zwei Jahren einer HIV Therapie kommt es in der Regel zu einem Abfall der Knochendichte (gemessen mit der "DEXA-Untersuchung") um 2-6%. Der Knochenverlust stabilisiert sich anschliessend.

Analyse von zusätzlichen Risikofaktoren
Die genannte Studie hat Daten aus drei HIV Therapie-Studien analysiert und die Knochendichteveränderungen in den ersten 2 Jahren erfasst und mögliche Klicken auf Bild zum Vergrössern Risikofaktoren untersucht. Die Auswertungen der Daten von 796 Patienten zeigte einen durchschnittlichen Knochendichteabbau von 2% nach Therapiebeginn. Patienten, welche bei Therapiestart eine CD4-Zellzahl <50 aufwiesen, hatten 3% mehr Knochendichteverlust als jene mit >500 CD4 Zellen/ul (siehe Abb links). Auch ein hoher HIV-RNA-Wert vor der Threapie sowie die Behandlung mit Tenofovir oder Proteasehemmern waren unabhängige Risikofaktoren, wie auch das Alter, ein tiefer BMI und das weibliche Geschlecht.

Ein weiteres Argument für frühen Therapiebeginn
Diese Daten zeigen, dass ein früher Therapiebeginn, d.h. bei noch hoher CD4 Zellzahl, auch den Knochen vor Osteoporose schützt. Möglich, dass der beschleunigte Knochenabbau zu Beginn der Threapie Folge einer Immunrekonstitution ist. Das würde den erhöhten Abbau bei tiefen CD4 Werten erklären. Ob dieser Knochendichteverlust klinisch relevant ist, wissen wir noch nicht. Möglicherweise ist er vor allem für Patienten relevant, die bereits vor HIV Therapiebeginn eine Osteoporose haben.

Osteoporose vorbeugen
Eine Reduktion von weiteren Risikofaktoren ist sicherlich in allen Fällen sinnvoll. Wir denken dabei an Nikotin, Alkoholkonsum, Vitamin D Mangel und Calciumunterversorgung, tiefer BMI. Bei Patienten über 50 Jahre empfehlen wir auch routinemässig eine Dexa-Untersuchung zur rechtzeitigen Vorbeugung einer Osteoporose.

Quelle:  Grant et al. CID 2013:1483-1488.

siehe auch Artikel: Osteoporose- wie verhindern?


Dr. med Eva Lemmenmeier

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