HIV-Infektionen in Ostschweiz

Im Januar 2012 haben wir viermal mehr Patienten mit frischen HIV-Diagnosen im Ambulatorium betreut, als in einem durchschnittlichen Monat. Ein Handlungsbedarf, wie wir fanden.

Am 17.2.12 hat der Kantonsarzt St. Gallen über die Medien die Bevölkerung informiert, dass Männer, die in den letzten Monaten Sex mit Männern hatten, sich auf HIV testen lassen sollten.

ACHTUNG: Montag bis Mittwoch 20.-22. Februar bieten wir die Anonymen Tests für Männer, die sich von diesem Aufruf betroffen fühlen, jeweils von 17-18 Uhr gratis an. Keine Voranmeldung für diese Zeit notwendig.

Grund für die Information waren die Ergebnisse der Abklärung von frischen HIV-Diagnosen in diesen Wochen. Es zeigte sich nicht nur, dass ein grosser Teil der neuen Diagnosen auf eine kürzlich zurückliegende Infektion zurückzuführen sei, sondern auch, dass ein grosser Teil der frisch infizierten Personen mit demselben Virus angesteckt wurden.

Gleiches Virus – was heisst das?
In diesem Zusammenhang bedeutet es, dass die Viren bei den jüngst infizierten Personen sehr nahe verwandt sind und dass die Ansteckungsrate innerhalb dieser ersten Wochen mit diesem Virus so gross ist, dass sich gleich einige Personen mit ein und demselben Virus infiziert hatten.

Hohe Ansteckungsgefahr
Die Infektion verbreitet sich in solchen Situationen meist nicht von einer auf viele andere Personen, sondern jemand wird angesteckt, gibt das Virus an 2 oder 3 Sexualpartner weiter, etc. Das Spezielle an dieser Frühinfektion ist die sehr hohe Ansteckungsrate. Daher ist es uns ein Anliegen, dass jetzt Personen, die noch eine nicht diagnostizierte HIV-Infektion mit diesem Virus haben, sich raschmöglichst auf HIV testen lassen, um weitere Infektionen zu verhindern.

Speziell an diesen Fällen ist, dass praktisch zeitgleich mit den neuen Infektionen auch eine Häufung erkannt wurde. Deshalb lohnt es sich, rasch zu handeln weil jetztman  vermutlich noch weitere Infektionen vermeiden kann.

Korrektur der Medienmitteilung: Im Bericht von SF-DRS wird gesagt, dass eine Quelle für diese Infektionen ein Mann sei, der sich prostituiert. Dies entspricht aber nicht unseren Informationen. Wir wissen, dass mindestens ein Mann, der Sex gegen Geld anbietet, auch Opfer dieser Infektionswelle geworden ist. Den umgekehrten Weg haben wir bei diesen neu diagnostizierten Personen bisher nicht nachgewiesen.

Medienberichte:


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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