Grippeimpfung bei Lymphompatienten: Wirksam?

Patienten mit Lymphknoten- (Lymphom) oder anderen Krebserkrankungen sind anfälliger gegen Influenza-Viren. Sie sollten sich gegen Grippe impfen lassen. Aber hilft das auch?

Lymphompatienten sind nicht nur deutlich anfälliger auf eine Infektion mit Influenzaviren, sie haben auch deutlich mehr Komplikationen der Grippeerkrankung und können an diesen sterben. Daher möchten sich die meisten Patienten gegen Grippe impfen lassen. Doch wenn die Immunabwehr geschwächt ist, ist auch die Fähigkeit des Immunsystems geschwächt, gegen einen Impfstoff eine gute Immunantwort aufzubauen.

Krebsmedikament hemmt Antikörperbildung
Nun haben Autoren aus Oslo untersucht, ob der in modernen Lymphom-Therapien oft eingesetzte Antikörper Rituximab auch die Immunantwort schwächt. Untersucht wurde dies bei Patienten während der 2009 H1N1-Pandemie. Rituximab blockiert die Funktion von B-Lymphozyten. B-Zellen sind verantwortlich für die Produktion von Antikörpern. Antikörper sind die Voraussetzung einer protektiven (vor Infektion schützenden) Immunantwort nach einer Impfung.

Ohne B-Zellen keine Immunantwort
Das Resultat der Untersuchung war eindrücklich. Keiner der 67 Lymphompatienten hatte eine messabare Produktion von Antikörpern gegen den 2009 verwendeten H1N1 Grippeimpfstoff, im Gegensatz zum guten Ansprechen bei 82% der Kontrollpersonen. Interessanterweise war die fehlende Immunantwort noch bis 6 Monate NACH der Gabe von Rituximab messabar.

Das Umfeld, nicht den Patienten gegen Grippe impfen!
So klar das Resultat dieser Arbeit ist, so einfach ist die Konsequenz daraus für die Praxis. Es hat schlicht und einfach keinen Sinn, Patienten, die mit Rituximab behandelt werden (vermutlich auch bei anders behandelten Lymphompatienten), gegen Grippe zu impfen. Das einzige, was man in dieser Situation tun kann, ist das Umfeld zu impfen. Daher empfehlen wir auch die Impfung aller Angehörigen von Lymphompatienten. Diese Empfehlung wird auch gut befolgt, weil alle Angehörigen ihr Möglichstes tun wollen, ihre Liebsten vor einer schweren Grippeinfektion zu schützen. Weshalb sich noch immer über 80% des Pflegepersonals weigert, diese für Patienten u.U. lebenswichtige Impfung machen zu lassen, entzieht sich unserer Kenntnis.

Quelle:  Yri et al, Blood, 22.12.2011


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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