Vaginale Impfung als HIV-Mikrobizid

Vaginale Mikrobizide sind substanzen, welche nur vaginal angewendet werden und dort eine sexuelle Übertragung von HIV verhindern sollen. Eine neuartige Impfung könnte dieser Präventionsform Vorschub leisten.

Weltweit werden die meisten HIV Infektionen heterosexuell übertragen. Man geht davon aus, dass Vaginale Mikrobizide (VM) eine wichtige Ergänzung unserer Präventionsmassnahmen wären, weil dadurch auch Frauen selbst für Ihren persönlichen Schutz etwas tun können. In den Hochendemiegebieten ist es den Frauen nicht möglich, sich gegen HIV zu schützen, respektive, bei ihrem Parner die Verwendung eines Kondomes durchzusetzen.
Dehalb setzt die Weltgesundheitsorganisation WHO auf diese Präventionsform.

Doch auch ein wirksames Mikrobizid (s. unseren Bericht) wird nur so gut wirksam sein, wie es auch angewandt wird. Verbesserte langwirksame Methoden sind also gesucht. Einen sehr innovativen Zugang haben Forscher aus Bostoon gewählt.

Lokal wirksamer Impfstoff
Die Gruppe von Marasco hat einen Impfstoff entwickelt, der nicht normale Antikörper produziert, sondern der nur in der Vaginalschleimhaut die Produktion von speziellen sogenannten "Minibodies" bewirkt. Die Forscher haben ein Adenovirus genetisch so verändert, dass es ein kleines Abwehrkörperchen produziert, welches sehr breit praktisch alle (oder die meisten) HIV-Viren neutralisieren kann. Es handelt sich um einen Bruchteil von konventionellen Antikörpern, dem sog. variablen Fc-Anteil, der von diesen so infizierten Zellen gebildet wird.

Im Zellversuch erfolgreich
Noch ist alles sehr früh für eine Beurteilung. Aber den Forschern gelang es zu zeigen, dass sie mit dem genetisch veränderten Adenoviren VaginalepitKlicken auf Bild zum Vergrössernhelzellen (in Kultur) so infizieren konnten, dass diese Zellen dann diese "Minikörper" produzierten. Weiter gelang es ihnen zu zeigen, dass diese so gebildeten "Minikörper" eine HIV-Infektion verhindern können, wie in der nebenstehenden Abbildung aus der Arbeit erkennbar ist (klick für Vergrösserung). In diesem Experiment wurden Zellkulturen angesetzt und die HIV-Virusproduktion nach 1, 3, 6 und 24h (Overnight) gemessen. In der ersten Serie (links) wurden die Zellen mit der Adenovirus-Impfung behandelt, die die richtigen "minikörper" produziert. In der Mitte ebensolche Adenovirus-Impfung aber eine, die ein anderes protein produziert und ganz zuletzt die Negativkontrolle (Infektion ohne Vorbehandlung der Zelle). Es zeigt sich sehr schön, dass die (vier Tage vor der Infektion) geimpften Zellen keine HIV-Infektion mehr zulassen.

Dies ist ein  erster Schritt. Noch muss natürlich die Wirksamkeit im Tiermodell und später beim Menschen gezeigt werden, es muss untersucht werden, wie lange die Wirkung der Adenovirus-Infektion (die genetische Impfung) überhaupt anhält und, und und. Doch es ist faszinierend zu sehen, wie neuartige Ideen entwickelt werden, welche alle zusammen letztendlich doch Hoffnung aufkommen lassen, dass die HIV-Infektion auch einmal weltweit eliminiert werden kann.

Quelle: Abdel-Motal et al, PLoS One. 2011;6(10):e26473. Epub 2011 Oct 21.


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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