CD4 Zellen: Immer noch ein wichtiger Marker der HIV-Immunschwäche

Das Kernproblem der HIV-Infektion ist noch immer die HIV-induzierte Immunschwäche. Wir messen diese durch die Verminderung der CD4-Zellen, auch wenn wir wissen, dass viele weitere Immunfunktionen durch die HIV-Infektion geschädigt werden.

In den letzten Jahren haben wir uns immer mehr auf die HIV-Suppression fokussiert und vielleicht die Erholung des Immunsystems zu wenig beachtet.
Am ICAAC wurden zwei Poster vorgestellt, welche sich wieder einmal um die Messung und Aussage dieses, etwas in Vergessenheit geratenen, einfachen Prognoseparameters kümmerten.

Prozent aussagekräftiger als absolute Zahl
Im ersten Poster (Gordon et al, H1-1408) wurde die Variabilität der CD4-Zellen untersucht. Wir wissen seit über 20 Jahren, dass für den Einzelnen die Messung der prozentualen CD4-Werte präziser sind. Eng damit verknüpft ist das CD4/CD8-Verhältnis, da die beiden prozentualen Anteile annähernd 100% sind. Bei der HIV-induzierten Immunschwäche fällt das Verhältnis unter 1.  Die Australischen Autoren zeigten auch, dass unter der Therapie die Variabilität der CD4-Werte geringer ausfällt und die Variabilität bei HCV-Koinfektion deutlich grösser war. Doch bei Personen mit vollständiger Suppression der Viruslast über mehr als 3 Jahre bleibt die CD4-Variabilität sehr gering.

CD4/8-Verhältnis immer noch prognostisch wichtig?
Im zweiten Poster einer Kanadischen Gruppe (Leung et al, H1-1409) untersuchten die Autoren, wie oft es bei einer HIV-Therapie zur Normalisierung der CD4/CD8-Ratio kam (>1.2) und inwiefern dieses Resultat das klinische Resultat verbesserte. Fast 4’500 PatientInnen (22% HCV-pos.) wurden knapp 3 Jahre lang beobachtet. Gerade 7% erreichten eine Normalisierung der CD4-Rate. Auch hier zeigte sich, dass die Normalisierung seltener eintrat, wenn die HIV-Therapie bei einem tiefen CD4-Wert (Nadir <200) eingesetzt wurde (HR 0.22; 1.16-0.31; <0.0001).

Der prognostische Aussagewert der Messgrösse zeigte sich auch in der Progressionsrate, doch nach Korrektur für andere prognostische Faktoren, verdünnte sich dieser Effekt. Letztendlich sind viele dieser Faktoren (Viruslast, Nadir CD4, Alter) miteinander verknüpft, so dass multivariate Analyse auch versagen. Doch es bleibt die immer wieder bestätigte Beobachtung: Wir müssen früher mit der Therapie beginnen!


Prof. Dr. Pietro Vernazza