Mexikanische Grippe in der Schweiz – Nema problema!

Das BAG trägt es jeden Abend in unsere Stuben: die Grippe-Pandemie kommt! Na und? Kümmert uns das? Wir fassen zusammen, weshalb wir zwar keine Angst haben müssen, doch mit der Pandemie respektvoll umgehen sollten…

Anfangs war die neuartige „Schweinegrippe“ weit weg, ein karibisches Phänomen, allenfalls bei Ferienrückkehrern. Die von der WHO täglich publizierten Fallzahlen waren abstrakt, nicht einzuordnen, und im Hinblick auf weit dringenderer globale Gesundheitsprobleme schon fast ein Affront. Zumal die „Schweinegrippe“ auch einen regelrechten medialen Hype verursacht – und innert weniger Wochen vom „Killervirus“ zur simplen Grippe mutierte. Nun ist sie da – und nun? Das Curriculum im Swiss Medical Forum 34/2009 fasst unser Wissen über A(H1N1)v zusammen.

Respekt statt Panik
Panik ist genauso unangebracht wie Gleichgültigkeit. Wir versuchen in unserem Artikel aufzuzeigen, was der bisherige Wissenstand (oder Stand des Nicht-Wissens) ist. Warum handelt es sich um eine Pandemie (obwohl sich das A(H1N1)v –Virus nicht an die Pandemieverordnung zu halten scheint)? Und warum ist das A(H1N1)v –Virus kein „normales“ saisonales Influenzavirus?

Pandemische Grippe H1N1v – Erkrankung der Jungen!
Das pandemische Potential ist nicht unbedingt bei den Virulenzfaktoren des A(H1N1)v –Virus zu suchen, sondern vielmehr bei der fehlenden Immunität der breiten, vor allem jungen Bevölkerung. Daher ist mit einer übermässig grossen Anzahl an leicht Erkrankten zu rechnen, welche das ambulante Gesundheitssystem – in aller erster Linie die Hausärzte (wie immer) – der Schweiz belasten werden.

Wer ist besonders gefährdet?
In diesem Patientenansturm gilt es diejenigen Personen herauszufiltern, welche möglicherweise schwer erkranken und sterben könnten. Wir nehmen uns des alten diagnostischen Dilemmas an, wie eine schwer verlaufende Influenza aufgrund unspezifischen Grippesymptomen diagnostiziert werden könnte, und versuchen, eine mögliche therapeutische Strategie aufzuzeigen, welche auf die frühe Behandlung von Risikopatienten abzielt (wozu entgegen der weitläufigen Meinung neben Immunkompromittierten, Kleinkindern und Schwangeren auch ältere Personen zählen).

Blick in die Glaskugel
Wir versuchen uns sogar in einer Vorhersage der Pandemieentwicklung, und zeigen den Nutzen einfacher Hygienemassnahmen auf (welche eigentlich zum allgemeinen Anstand gehören sollten). Diese können die Transmission entscheidend verzögern und damit die epidemiologische Kurve abschwächen (nicht aber die absolut zu erwartende Fallzahl reduzieren). Nun da das A(H1N1)v –Virus bis in die Schweiz gekommen ist, macht es keinen Sinn, uns in unseren Praxen zu verschanzen – wir sollten pro-aktiv handeln und für die kommende Pandemie gewappnet sein. Gut vorbereitet wird uns die Pandemie möglicherweise nicht wesentlich belasten.

Oder?

The only thing certain about influenza viruses is that nothing is certain.

Weitere Informationen: