Aktuelle Lage Mexikanische Grippe -13. Mai 2009

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Epidemiologische Lage

 

Zwar ist das mediale Echo abgeklungen, doch die A/H1N1-Grippe ist unbemerkt vom öffentlichen Fokus weiter auf dem Vormarsch. Auch in den letzten 2 Tagen steigt die Fallzahl in den USA kontinuierlich und heute berichtet das CDC bereits von 3009 Fällen in den USA und bestätigt drei Todesfälle. Das BAG hat seine Richtlinien entsprechend der epidemiologischen Entwicklung angepasst. Aus Mexiko, dem Ursprung der A/H1N1-Grippe, werden 2059 Labor-bestätigte Fälle gemeldet.

Folgende Grafik gibt einen Überblick über die kummulativen Fallzahlen:

H1N1_Cases_aktuell.jpg

Eine interaktive Karte der Fälle mit Zeitraffer finden Sie auf der BBC-Homepage.

Wie Forscher im Science express aber berichten und wie schon lange vermutet wird, liegt die tatsächliche Zahl der Erkrankten (und inzwischen mehrheitlich wieder genesenen Patienten) in Mexiko weit höher. Aufgrund genetischer Analysen, welche die sporadischen Veränderungen im A/H1N1-Genom über die Zeit seit dem ersten Labornachweis des A/H1N1-Grippevirus ("genetic drift") untersuchten, kann auf eine wahrescheinliche Fallzahl rückgeschlossen werden. Wie im Science express publiziert, gehen die Forscher davon aus, dass 23’000 (6’000 – 32’000) Menschen in Mexiko mit dem A/H1N1-Virus infiziert waren, und gehen aufgrund der Hochrechnungen von einer Mortalität von 0.4% (0.3 – 1.5%) aus. Obwohl noch wenig Daten über den klinischen Verlauf in nicht schwer Erkrankten Personen vorliegt (da diese häufig keinen Arzt aufsuchten) und somit noch Unklarheiten bestehen, scheint die Schwere der A/H1N1-Grippe nicht mit der Spanischen Grippe 1918/19 vergleichbar zu sein.

In Europa scheinen die rigorosen Screening-Massnahmen zumindest aktuell eine Entspannung der Lage gebracht zu haben. Das ECDC berichtet über eine stabile Zahl von Neumeldungen, wobei die Mehrzahl der neuen A/H1N1-Fälle immer noch bei Reiserückkehrern auftreten. Aber mit dem Wissen, dass in Mexiko eine weitaus grössere Anzahl Menschen erkrankt sein musste, stellt sich die Frage, ob und inwiefern das A/H1N1-Grippevirus unbemerkt auch bereits in Europa zirkuliert.

Klinische Daten

Im New England Journal of Medicine waren Ende der letzten Wochen die ersten Daten zum klinischen Verlauf in einer grösseren Patietenzahl veröffentlicht worden. Obwohl diese Studie auch eine Verzerrung des tatsächlichen Bildes aufweist, da schwere hospitalisationsbedürftige Fälle überbewertet werden, stützen diese klinischen Daten die Beobachtung des Science-Berichtes bezüglich der Schwere des Krankheitsverlaufes. Die Autoren berichten über folgende klinsche Symptome in >300 untersuchten Patienten (wobei aber rund 9% hospitalisiert werden musste):

  • Fieber (94%)
  • Husten (92%)
  • Halsweh (66%)
  • Durchfall (25%)
  • Erbrechen (25%)

Insgesammt waren v.a. junge Menschen betroffen, dies könnte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass in den USA die ersten A/H1N1-Outbreaks hauptsächlich in Schulen und an Universitäten auftraten. Es könnte jedoch auch sein, dass das Abwehrsystem älterer Leute bereits ein ähnliches Virus in der Vergangenheit (wahrscheinlich >50 Jahre) "gesehen" hat und eine bessere Abwehrlage bestehen könnte. Sollte dies nicht der Fall sein, so ist in den USA mit A/H1N1-Ausbrüchen in älteren Personen mit einer zeitlichen Verzögerung zu rechnen.

 

 

 

Nähere Informationen zu Fallzahlen und Lagebeurteilung einzelner Behörden:
WHO
CDC
ECDC
BAG

 

 

Weitere Informationen:


Dr. med. Matthias Hoffmann

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