HIV: Gute Behandlungsqualität in der Schweiz

Kann man die HIV-Behandlungsqualität eines Landes messen? Ja, meinen wir. Denn ein zentrales Anliegen jeder HIV-Behandlung ist es, eine virale Resistenz auf HIV-Medikamente zu vermeiden. Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie (SHCS) hat dies nun sehr schön gezeigt.

HIV-Resistenzentwicklung ist nicht nur für die behandelte Person ein Problem. Sie führt früher oder später auch dazu, dass resistentes Virus übertragen wird. Nehmen resistente Viren in der Bevölkerung zu, wird die Behandlung schwieriger, teurer und weniger effektiv, was längerfristig ein Problem für die öffentliche Gesundheit darstellt. Somit ist es ein zentrales Anliegen des Staates dafür zu sorgen, dass die HIV-Behandlungsqualität im Land optimal ist.  

In der Schweiz konnten wir schon früher zeigen, dass der Anteil an resistenten Viren bei den frisch übertragenen Infektionen kontinuierlich abnimmt (Yerly 2004, AntivirTher). Nun hat die SHCS auch die Entwicklung von Resistenzmutationen in der behandelten Population über die Zeit untersucht. 

HIV-Resistenzmutationen können immer auftreten. Wenn Sie einmal entstehen, bleiben sie beim betroffenen Individuum meist sehr lange bestehen. In der Arbeit von Viktor von Wyl et al. haben die Autoren aufgrund gemessener Resistenzmutationen und geschätzten Daten aufgrund von Therapieversagern eine Schätzung der Prävalenz von antiviralen Resistenzmutationen in der behandelten Kohorte durchgeführt. Die tatsächlich gemessenen Resistenzdaten ergaben einen minimalen Schätzwert. Die Schätzungen aufgrund der Therapieversager führten zum oberen Vertrauensintervall der Schätzung.

Grosse Population untersucht
Eingeschlossen wurden Daten von über 8000 im Rahmen der SHCS behandelten Patienten. Dies entspricht dem grössten Teil aller in der Schweiz behandelten HIV-Patienten. Somit ist diese Arbeit auch hoch räpresentativ für die Behandlung in der Schweiz.

Evolution von Resistenzmutationen in der SHCSHIV-Resistenzmutationen können immer auftreten. Wenn Sie einmal entstehen, bleiben sie beim betroffenen Individuum – mindestens als kleine Minderheit – sehr lange bestehen. Daher ist es sinnvoll, bei jedem Therapieversager von einer Virusresistenz auszugehen, auch wenn natürlich andere Gründe (z.B. kein Medikament eingenommen) dafür verantwortlich sein könnten. Da die Resistenzen nicht verschwinden, wird die Anzahl von Resistenzmutationen in einer fixen Population ständig zunehmen. Kommen mit der Zeit neue Patienten ohne Resistenzmutationen dazu, sollte die Prävalenz abnehmen.

Genau dies konnte nun in dieser Kohorte gezeigt werden. In der Gesamtpopulation nimmt die Rate von Resistenzmutationen in den letzten fünf Jahren deutlich weniger rasch zu als in den Jahren davor. In der nebenstehenden Abbildung ist die Zunahme von Patietnen mit Resistenzmutationen über die Zeit dargestellt. Dunkelgrün sind die Patienten, welche in der frühen Zeit der HIV-Therapie Resistenzen erworben haben, die mittlere Fläche steht für die Patienten, welche noch mit un-boosted Proteasehemmern behandelt wurden,während die ganz hellgrün dargestellten Patienten diejenigen mit aus heutiger Sicht optimaler Therapie behandelt wurden. Es zeigt sich auch in den Balken oben, dass über die Zeit das "Wachstum" abnimmt und insgesamt seit 4-5 Jahren kein wesentlicher Zuwachs an Resistenzmutationen festzustellen ist.

Diese Daten bestätigen die ausgezeichnete Wirksamkeit der HIV-Therapie in der Schweiz mit einer hohen Behandlungsqualität. Wir sind überzeugt, dass die seit 20 Jahren bestehende HIV-Kohortenstudie einen wesentlichen Beitrag in der Optimierung der HIV-Behandlung in der Schweiz geleistet hat.

Quelle: von Wyl et al, CID, 2009;48:979


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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