Brain + Age + HIV Cerebraler Blutfluss

Dank der modernen antiretroviralen Kombinationstherapie ist die Lebenserwartung HIV positiver Menschen deutlich gestiegen. Im Jahre 2015 werden > 50% der HIV Positiven > 50 Jahre alt sein (Effros et al CID 2008).

Eine Arbeit von B. Ances et al. aus Washington untersuchte und verglich den cerebralen Blutfluss
von 18 HIV pos. und 17 seronegativen Individuen.
Die Gruppen wurden zusätzlich nach Alter eingeteilt, > 50 Jahre, resp. < 35 Jahre. So ergaben sich die vier Gruppen: 10 HIV pos. mit Alter Mean 27 Jahre, 8 HIV pos. mit Alter Mean 55, resp. 9 HIV neg. mit Alter Mean 27 und 8 HIV neg. Mean 54 Jahre.

Die cerebrale Blutflussmessung (CB) wurde mit der "arterial spin labeling" Methode durchgeführt. Dies ist eine nicht invasive MRI basierte Untersuchung, bei der keine radioaktive Substanz verabreicht werden muss. Das arterielle Blutwasser wird als endogenes Kontrastmittel verwendet. Der in Ruhezustand gemessene Blutfluss korreliert indirekt mit der neurokognitven Beeinträchtigung.
(Journal of cerebral blood flow and metabolism)

Die Resultate dieser Studie dokumentierten, dass die Faktoren Alter und HIV Serostatus einen Einfluss auf den cerebralen Blutfluss im Ruheszustand hatten. Weiter wurde nicht nur der CB im Ruheszustand verglichen, sondern auch bei visueller Reizung. Der funktionelle Blutfluss war bei HIV pos. und Alter > 50 Jahre am stärksten beeinträchtigt.
Eine Korrelation zu Nadir CD4 Zellzahl und HIV RNA wurde nicht gefunden.

Quelle: CROI 2009, Abstract 157 

Schlussfolgerung:
HIV Serostatus positiv und Alter haben den gleichen Effekt auf den cerebralen Blutfluss. Dieser ist bei beiden Faktoren in Ruhzustand reduziert. Die grösste Veränderung des cerebralen Blutfluss zeigt sich jedoch bei visueller Reizung, hier wurde der grösste Unterschied in beiden Gruppen gefunden.
Es wird diskutiert, dass diese Daten für eine persistierende entzündliche Aktivität und oxidativen Stress des Hirngewebes und der Gefässe sprechen könnte. Dies trotz guter virologischer Kontrolle unter ART.
CBF könnte als nicht invasiver Surrogat Biomarker dienen um die Effekte von HIV auf das Gehirn, resp. das alternde Gehirn, zu monitorisieren.

Abschliessend noch eine Abbildung aus o.g. Arbeit von Efros et al. Man sieht deutlich die demografische Alterung der HIV-infizierten Population. Dies ist eine deutliche Folge der verbesserten HIV Behandlungsstrategien, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass wir uns an den HIV-Behandlungszentren vermehrt mit physiologischen Prozessen des Älterwerdens und den Abgrenzungen gegenüber HIV-assoziierten Veränderungen auseinander setzen müssen.


Dr. med. Christine Gutmann

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