Zur Infektiosität von Tuberkulosepatieten bei HIV-Koinfektion

Gibt es Neues zum Risiko einer Tuberkulose-Uebertragung?

Das heutige Wissen zum Risiko einer Tuberkuloseübertragung stammt hauptsächlich von Studien aus den 1950er-Jahren. Folgende Faktoren sind mit einem erhöhten Transmissionsrisiko verbunden:

  • hohe Mykobakterienkonzentration im Sputum
  • starker Husten/Auswurf
  • Nachweis von Kavernen, Larynxbefall
  • lange Dauer bis zum  Beginn einer antituberkulösen Therapie 
  • lange Kontakt-Dauer und sehr naher Kontakt mit der erkrankten Person

Eine Studie aus Lima, Peru, untersucht, ob bei HIV-Koinfizierten Patienten andere Faktoren hinzukommen. Insbesondere interessierte auch, ob Resistenzen gegen Tuberkulostatika einen Einfluss auf die Infektiosität haben.

Dazu verwendeten Rod Escombe und seine Kollegen ein Meerschweinchendetektionssystem: Die Abluft aller Tb-HIV-Koinfizierten Patienten wurde über ein auf dem Dach des Spitals lokalisiertes Meerschweinchen-Gehäge geleitet. Die Meerschweinchen wurden monatlich mit einem Tuberkulin-Hauttest auf Tb untersucht. Die Mycobakterium tuberculosis-Stämme der Patienten und der TST-positiven Tiere wurden analysiert (Empfindlichkeitstestung und DNA-Fingerprinting) und mit denjenigen der Patienten verglichen.Somit konnte herausgefunden werden, welches Meerschweinchen durch welchen Patienten infiziert worden war.

Von 292 exponierten Meerschweinchen zeigten 144 Zeichen einer Tuberkuloseerkrankung, 30 waren lediglich Tuberkulintest positiv. Das Risiko einer Tb-Uebertragung auf die Versuchstiere war damit deutlich höher als in den Experimenten der 50er-Jahre. Es zeigte sich aber, dass von insgesamt 97 HIV/Tb-Patienten nur gerade 10 für die Uebertragung der Tb auf die Meerschweinchen verantwortlich waren. 7 davon hatten eine medikamenten-resistente (MDR-) Tuberkulose und waren nicht adäquat therapiert.

Konklusion:
Neben der Isolation ist der rasche Beginn einer adäquaten Tb-Therapie ist zur Verhinderung von Sekundärfällen ganz entscheidend. Die Studie unterstreicht die Wichtigkeit einer raschen Resistenzprüfung bei allen neu diagnostizierten Tb-Fällen. Für Rifampicin ist eine rasche Resistenzprüfung mit mokluarbiologischen Methoden (Nachweis der Punktmutation auf rpoB-Gen) möglich.

Quelle: Escombe et al, PLoS Med 2008; 5: e188



Dr. med. Patrick Schmid

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