Grippeimpfung in der Schwangerschaft – wie gut ist der Grippeschutz für Mutter und Kind?

Bei Schwangeren, Neugeborenen und Säuglingen ist das Risiko erhöht, im Rahmen einer Grippeerkrankung Komplikationen zu entwickeln.  Eine in Bangla Desh durchgeführte Studie hat untersucht, wie gut eine Grippeimpfung während der Schwangerschaft Mutter und Kind schützen kann.

Eine Grippeinfektion in der Schwangerschaft kann bei der werdenden Mutter das Risiko für eine Hospitalisation, aber auch für fetale Entwicklungsstörungen erhöhen. Wenn eine Grippeinfektion bei Neugeborenen oder Säuglingen auftritt, kann sie zu einer bakteriellen Pneumonie oder Otitis media prädisponieren; die Hospitalisationsrate ist häufig erhöht.

Impfstoffe gegen Influenza sind grundsätzlich für die Gabe während der Schwangerschaft zugelassen und gemäss Expertenmeinung auch während der gesamten Schwangerschaft unproblematisch. Die WHO empfiehlt diese Impfung seit 2005. Die durch die Impfung gebildeten mütterlichen Influenza- Antikörper erreichen durch aktiven Transport eine Konzentration im Nabelschnurblut, die höher ist als im mütterlichen Serum. Auch Stillen gibt einen Schutz gegen Grippe. Durch die mütterliche Grippeimpfung kann das Kind während der ersten Lebensmonate geschützt werden; dies ist um so wichtiger, als Grippeimpfstoffe bei Kindern erst ab dem Alter von 6 Monaten zugelassen sind (dabei sollte die Applikation in reduzierter Dosis erfolgen).

Wie gut ist aber der Grippeimpfschutz tatsächlich sowohl für die Mütter, wie auch für ihre Kinder?

Bislang lagen zu dieser Frage keine prospektiven randomisierten Studien vor.

Nun hat eine Forschergruppe in Dhaka, Bangla Desh, zusammen mit der Johns Hopkins Universität Baltimore 340 Frauen im dritten Trimenon grippegeimpft und 316 von ihnen mit ihren im Studienverlauf geborenen Kindern über 24 Wochen nachverfolgt. Dabei wurden die Mutter- Kind- Paare nach festen Intervallen gesehen und nach Erkrankungsepisoden befragt sowie angewiesen, sich bei Erkrankung sofort vorzustellen. Bei Grippeverdacht wurde ein Schnelltest (Rachenabstrich) durchgeführt. Die Studie erfolgte prospektiv randomisiert, die Kontrollgruppe erhielt eine Impfung gegen Pneumokokken.

Resultat: 

Während der 24 Wochen hatten 22 Kinder eine im Labor bestätigte Grippeinfektion (16 Kinder ungeimpfter versus 6 Kinder geimpfter Mütter).  Dies ergab rechnerisch einen Grippeschutz von 63%. Zudem konnten bei Kindern und Müttern die Rate febriler Atemwegsinfektion um 29% bzw. 36% gesenkt werden; daraus resultierten auch deutlich seltenere klinische Konsultationen.

Dieser Effekt hielt bei den Kindern bis zum Alter von 5-6 Monaten an.

Die Autoren geben an, dass die Resultate eher noch besser sein dürften, da die Kontrollgruppe möglicherweise von der Impfung gegen Pneumokokken profitiert habe.

Während der Studie konnte über 3 Monate der Influenza- Schnelltest wegen Lieferschwierigkeiten (!, "real life!") nicht durchgeführt werden.  Dies dürfte aber das Ergebnis nicht verzerrt haben.

Beurteilung

Die Autoren postulieren, dass mit der Studie eine signifikante klinische Effizienz der Grippeimpfung in der Schwangerschaft gezeigt werden kann. Gemäss Rechnung könne so auf 100 Impfungen eine febrile (über 38°C) Atemwegsinfektion bei 14 Kindern und 7 Müttern verhindert werden.

Ob diese Daten so auf die Schweiz übertragen werden können, ist fraglich. Insbesondere muss berücksichtigt werden, dass in Bangla Desh "praktisch ständig" Grippesaison ist (was sich auch in der Studie zeigte: Grippeviren wurden von Januar bis Oktober nachgewiesen). Damit ist fraglich, ob die Inzidenz wirklich vergleichbar ist.

Grundsätzlich aber dürfte die Studie zur Beurteilung beitragen, dass die Grippeimpfung in der Schwangerschaft insbesondere bei zusätzlichen Erkrankungen von Mutter und (ungeborenem) Kind, bei denen eine Grippeerkrankung erschwerend sein könnte,  erwogen werden sollte.

Quelle: Zaman et al, Effectiveness of maternal influenza immunization in mothers and infants. N Engl J Med 2008; 359.


Dr. Barbara Bertisch

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