Neue Übertragungsmöglichkeit von Echoviren und Coxsackieviren: Schwimmen im kontaminierten Meer?

Im Clinical infectious diseases vom September 2008 wird ein kleiner Aubruch mit Echovirus 30 Infektion und Coxsackie A1 Infektion in einer kleinen Studenten Reisegruppe von 29 Personen beschrieben. Die Reise ging nach Mexico.

Von den 29 Reisenden erkrankten 21 akut. Die Symptome waren Kopfschmerzen, Fieber, Erbrechen und Diarrhoe. Es gab solche die nur an Echovirus 30 erkrankt waren, und solche die nur CoxsackieVirus hatten, und andere, die sowohl Coxsackie als auch Echoviren hatten.

Allen gemeinsam war, dass sie kurz vor Ausbruch im Meer, in der Nähe einer Abwasserleitung , baden gegangen waren. Die Abbildung zeigt den Zeitpunkt des "Meeresschwumm" und den Zeitpunkt des Ausbruches.

abwasser.jpg

Nun, die Autoren gehen wegen des zeitlichen Zusammentreffens, und da praktisch alle Betroffenen im Meer schwimmen waren, davon aus, dass sie sich die Infektion im Meer geholt haben. Klar beweisen können sie es aber nicht, da das Meerwasser nicht untersucht wurde, und es allenfalls auch andere mögliche Expositionen gab. Die letzten 3 Fälle betiteln die Autoren selbst dann als sekundäre Fälle, welche sich vermutlich im Kontakt mit ihren erkrankten Reisebegleitern angesteckt haben.

Natürlich kann man sich vorstellen, dass die Keimlast in der Nähe von Abwasserkanälen auch im Meer erhöht ist, bisher wurde aber noch nie von einer Übertragung durch Meerwasser berichtet. Letztendlich ist es aber möglich. Und für uns behandelnde Ärzte bleibt es wichtig davon zu wissen und an diese Möglichkeit zu denken.

Sollten sich solche Ausbrüche häufen, so stellt sich die Frage, ob an Touristenorten die Wasserqualität nicht nur anhand des Bakterienloads gemessen werden sollte, sondern allenfalls auch mittels PCR die Viruslast? Ich denke momentan sind wir noch weit davon entfernt, schon aus Kostengründen.

Zum Glück ist unsere kleine Delegation aus St.Gallen vermutlich am Kongress so beschäftigt, dass es keine Zeit gibt im Meer zu baden!

Begier et al; CID 2008

Editorial zum Artikel Begier, CID 2008


Dr. med. Katia Boggian

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