West-Nile: Hirnhautentzündung nicht harmlos

Die Infektion mit West-Nile Virus, wie sie sein einigen Jahren die USA heimsucht, kann zur Hirnhautentzuendung (Encephalitis) fuehren. Nun haben Kliniker aus Houston, Texas, die langsame Erholung nach West-Nile beschrieben.

Der Report im JAMA vom 18.5.08 erinnert an Beobachtungen aus der Schweiz bei der Zecken-Encephalitis (FSME). Auch hier wurde eine langsame Erholung nach durchgemachter Encephalitis beschrieben. Beide Erkrankungen sind übrigens gehäuft bei Patienten, welche einen angeborenen Defekt im CCR5 Rezeptor aufweisen (s. weitere Berichte).

Im ersten Jahr des West-Nile Epidemie in Texas haben Kliniker aus Houston mit Patienten, welche wegen West-Nile zugewiesen wurden, eine Kohorte gebildet und diese alle 6 Monate während 5 Jahren beobachtet. Insgesamt wurden 108 Patienten beobachtet. Die Hälfte der Patienten hatte eine Encephalits, 30% eine Meningitis und 20% einen komplizierten Fieberverlauf. Insgesamt fanden sich bei gut 60% chronische Zeichen einer schlechten Erholung wie Müdigkeit, Depression, Gangstörungen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Im zweiten Jahr sank die Rate an Patienten mit Symptomen dieser "chronischen Müdigkeit" auf 46% um dann aber in den Folgejahren sich auf 40% ohne weitere Abfalltendenz einzupendeln.

Diese doch sehr häufige Rate eines schlechten Erholungszustandes nach Encephalitis ist doch überraschend hoch und zeigt einmal mehr, dass eine Encephalitis keine harmlose Erkrankung darstellt. Dies sollten wir uns auch bei anderen Krankheiten, wie z.B. der Masernencephalitis, immer wieder bewusst sein.

Quelle: Voelker R, JAMA 18.5.08, S.2135f

weitere Berichte:

  • Zecken-Encephalitis (FSME): Gene sind "schuld"
  • Die Langzeitschäden nach durchgemachter FSME
  • CCR5-Hemmer: Risiko für West-Nil-Virus
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Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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