Fibroscan-Werte immer im Kontext der biochemischen Marker interpretieren!

Die Steiffigkeitsmessung der Leber mittels transienter Elastographie (FibroScan, FS) ist eine neue, recht zuverlaessige, nicht invasive Methode zur Abschaetzung des Fibrosegrades der Leber bei chronischer Hepatitis.

Bei ausgeprägteren Hepatitis-flares werden allerdings falsch hohe Werte gemessen (Coco, J Viral Hepatitis 2007). Ob bei Patienten, die sich mit einem akuten Leberschaden (hohe Transaminasen- und Bilirubinwerte) präsentieren aufgrund des FS-Wertes abgschätzt werden kann, ob es sich um eine Dekompensation einer stark vorgeschädigten Leber (mit fortgschrittener Fibrose oder Zirrhose) handelt, war bisher unklar.

Im Unversistätsspital Düsseldorf wurden 20 Patienten mit akuter Hepatitis unterschiedlicher Aetiologie bei Spitaleintritt und im Verlauf mit dem FS untersucht. Bei 15 Patienten liess der initiale Steifigkeitswert der Leber (>12.5 kPa), gemessen mit dem FS, an eine vorbestehende Leberzirrhose denken. Allerdings zeigte keiner dieser Patienten in der klinischen Untersuchung, der Lebersonografie oder der Histologie (durchgeführt bei 11/15 Pat.) Hinweise auf eine Zirrhose.

6 von diesen 15 Patienten wurden bis zum Abklingen der akuten Hepatitis mittels FS nachuntersucht und bei allen sank der FS-Wert im Verlauf unter cut off-Wert für Leberzirrhose.

Patienten mit sehr hohen FS-Werten hatten initial signifikant höhere Bilirubinwerte, während dies für die Transaminasen nicht zutraf. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die intrahepatische Cholestase den FS-Wert beinflusst.

Eine 2. Arbeit von U. Arena et. al , in derselben Ausgabe des "Hepatology" publiziert kommt zur gleichen Erkenntnis. Die Fibroscan-Untersuchung ist bei einer akuten Hepatitis nicht geeignet, den Fibrosegrad der Leber abzuschätzen

Merkpunkte:
– Die Lebersteiffigkeit (gemessen mit dem Fibroscan) hängt nicht alleine vom Fibrosegrad ab
– Fibroscan-Werte müssen immer im Kontext (biochemische Marker, Aetiologie des Leberschadens) interpretiert werden

Quelle: Sagir et al. und Arena et al.; Hepatology 02/08


Dr. med. Patrick Schmid

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