HPV-Impfung wird kassenzulässig – Wer soll? Wer darf?

Humane Papillomaviren (HPV) sind nicht harmlos, auch wenn ihr umgangssprachlicher Name «Warzenviren» nicht gerade nach Schrecken klingt. Sie sind die häufigsten Erreger sexuell übertragbarer Krankheiten.

Gefürchtet sind insbesondere die HP-Viren, welche den zweithäufigsten bösartigen Tumor bei der Frau, das Cervixkarzinom, hervorrufen. Durch die Vorsorgeuntersuchung konnte die Anzahl schwer verlaufender Infektionen bereits reduziert werden. Aber noch immer sterben in der Schweiz rund 100 Frauen pro Jahr am Cervixkarzinom. Ab Januar 2008 wird ein Impfstoff kassenzulässig, der vor den vier häufigsten HP-Viren schützt.

Wir haben an dieser Stelle schon mehrfach über die HPV-Infektion berichtet; siehe dazu die Links im Anhang.

HPV-Infektionen sind häufig
70 bis 80% der sexuell aktiven Bevölkerung infiziert sich im Laufe des Lebens mit HPV-Viren. Die risikoreicheren HPV-Typen verursachen dysplastische Veränderungen im anogenitalen (Cervix uteri, Vagina, Vulva, Penis, Anus) und ORL-Bereich. Zu praktisch 100% wird das Cervixkarzinom der Frau (Krebs des Gebärmutterhalses) durch HPV verursacht, insbesondere durch die HPV-Typen 16 und 18 (>70%).

HPV und Krebs des Gebärmutterhalses (Cervix)
Die Infektion durch aggressive HPV führt in einer von vier bis fünf Frauen zu einer Krebsvorstufe im Bereich der Cervix. In der Schweiz wird als Folge davon jedes Jahr bei etwa 5’000 Frauen eine Zellveränderung im Bereich der Cervix, eine sog. Cervixdysplasie festgestellt. Diese kann zum Karzinom fortschreiten. Durch die vorsorgliche Abstrichkontrolle ist die Zahl der Cervixkarzinome seit den 80er-Jahren um 28% gesunken. Totzdem kommt es in der Schweiz jährlich in noch 320 Fällen pro Jahr zum Karzinom und zu etwa 100 Todesfällen.

Prävention durch Impfung
Um der Infektion mit ihren Folgen zuvorzukommen, wurde in den letzten Jahren intensiv und erfolgreich an Impfstoffen geforscht. Auf dem Schweizer Markt ist vorerst der quadrivalente Impfstoff Gardasil von Sanofi Pasteur MSD zugelassen, welcher gegen HPV 6, 11, 16 und 18 schützt. Weitere werden folgen. Es handelt sich dabei um eine prophylaktische und nicht um eine therapeutische Impfung. Sie ist also nur dann von Nutzen, wenn eine Person noch nicht infiziert ist – oder noch nicht mit allen in der Impfung enthaltenen Viren.

Impfung empfohlen
Die eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) kam in ihrer Empfehlung vom Juni 2007 (1) zum Schluss, dass eine Impfung für Mädchen im Alter zwischen 11 und 14 Jahren sinnvoll sei; vor dem Eintritt in ein sexuell aktives Leben und einer möglichen Ansteckung. Dies stützt sich auf die Tatsache, dass in der Schweiz nur 5% der Mädchen vor dem 15. Lebensjahr sexuelle Kontakte haben, jedoch etwa die Hälfte mit 16 Jahren bereits sexuell aktiv ist. Der Nutzen der Impfung sinkt mit zunehmender Wahrscheinlichkeit einer bereits stattgehabten Infektion.

Eine Subgruppenanalyse der FUTURE study groupe* konnte gemäss einer Veröffentlichung im CID dieses Monats (2) aber auch eine deutliche Risikoreduktion für junge Frauen aufzeigen, welche vor der Impfung mit mindestens einem Impfvirus infiziert waren. Sie entwickelten im Vergleich zur Placebo-Gruppe weniger Dysplasien durch Impfviren, für die sie noch naiv waren. Auch die EKIF erachtet Nachholimpfungen im Alter von 15 bis 19 Jahren für sinnvoll (1). Für junge Männer ist der Nutzen der Impfung jedoch noch nicht bewiesen, und sie wird deshalb nicht empfohlen.

Der Preis ist heiss 
Der Impfstoff ist derzeit noch sehr teuer; rund 700 SFr. für drei Impfungen. Gemäss der Pressemitteilung des Bundesamtes für Gesundheit / BAG (3) wird der Impfstoff ab Januar 2008 kassenzulässig und ist von der Franchise befreit. Dies gilt vorerst für 11- bis 14-jährige Mädchen, welche im Rahmen kantonaler Impfprogramme geimpft werden und Adoleszente bis 19 Jahre. Bisher haben erst wenige Kantone solche Programme auf die Beine gestellt. Das BAG geht davon aus, dass durch kantonale Impfprogramme eine vollständige Impfung innerhalb von 6 Monaten (drei Impfungen) gewährleistet werden kann und Preissenkungen der Hersteller erwartet werden dürfen. Der Kanton Wallis konnte den Preis offenbar bereits auf 500 SFr. drücken. Junge Frauen im Alter >19 Jahre, die sich impfen wollen, müssen die Impfung vorerst noch selber berappen. Kosten-Nutzen-Analysen für diese Altersgruppe stehen noch aus.

Irreführende Meldungen über Todesfälle nach HPV-Impfung
Der Schweizerische Beobachter (22/07) und andere Medien melden über mögliche Todefälle im Zusammenhang mit einer HPV-Imfpung. Wie immer bei Impfungen, besteht bei einem zufälligen zeitlichen Zusammentreffen von zwei Ereignissen das Bedürfnis, einen ursächzlichen Zusammenhang zu knüpfen. Bisher wurden über 13 Mio Dosen des HPV-Impfstoffes verabreicht. Die FDA und auch die Swissmedic haben die Meldungen über diese Todesfälle sorgfältig geprüft und fanden keine Erhöhung der Todesfallrate verglichen mit den statistischen Erwartungen für die Altersgruppe. Es fanden sich auch keine weiteren Hinweise für einen Zusammenhang. InfoVac Experten haben Ende Oktober 2007 in einem entsprechenden Statement die Informationen hierzu zusammengefasst. Aus unserer Sicht darf der HPV Imfpstoff weiterhin als gefahrlos gelten und zur Prävention des Cercixcarcinoms eingesetzt werden.

Links:
(1) Prophylactic Efficacy of a Quadrivalent Human Papillomavirus (HPV) Vaccine in Women with Virological Evidence of HPV Infection. *Die FUTURE study group hatte bei einer grossen Anzahl Frauen die Wirksamkeit der quadrivalenten Impfung nachgewiesen
(2) Empfehlung EKIF / Eidgen. Kommission für Impffragen
(3) Pressemitteilung BAG, Nov. 2007

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Dr.med. Sabine Majer

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