Herpes: Ansteckend oder nicht – Gene entscheiden

Die genitale Herpesinfektion (Herpes genitals) verläuft sehr unterschiedlich. Bei eingen Personen heilt die Infektion ohne Probleme aus, während andere zu häufigen Rezidiven neigen und auch immer wieder Herpesviren in Sekreten ausscheiden und somit ansteckend sind. Eine Studie aus Seattle geht den Gründen nach.

Die Studie untersuchte, inwieweit Toll-Like-Receptors (TLR) diese Unterschiede erklären können. TLR gehören zu unseren natürlichen Abwehrmechanismen. Es sind Marker an der Zelloberfläche, welche Erreger erkennen und unschädlich machen können (s. Bericht von G. Dollenmaier). Mindestens 9 verschiedene TLR sind bisher beim Menschen bekannt.

Untersucht wurde, ob gewisse TLR-Gene für die gehäufte Virusausscheidung sowie für den rezidivierenden Verlauf verantwortlich sind. Die Autoren fanden, dass Variationen (Haplotyp 2 und 4) im Gen, welches den TLR-2 kodiert für beide Endpunkte verantwortlich sind, respektive bei Personen mit diesen Haplotypen häufiger auftreten.

Neben der Abwehr von gram-positiven Bakterien ist der TLR-2 auch für die Abwehr von Herpesviren veranwtortlich. Vermutlich erkennt der TLR-2 Hüllenproteine der Herpesviren.

Quelle: Bochud et al, JID, 2007;196:505-9

PS:
Unmittelbar nach der Publikation dieses Artikels erschien im NEJM (Hunter & Kraft, 18.7.07) eine schöne Übersicht über die statistischen Probleme in der modernen genetischen Medizin. Mit den neuen Methoden der hochauflösenden Array-Technology können heute über 500’000 Gen-polymporphismen gleichzeitig analysiert werden. Dabei handelt es sich um einzelne Stellen in einem Gen (sog. SNPs), welche bei verschiedenen Menschen für eine andere Aminosäure kodieren. Wegen diesen kleinen Unterschieden, sind wir anders aber auch Variantenreich. Dieser Variantenreichtum lässt auch zu, dass sich eine Art auch unterschiedlichen Umgebungsformen durch Selektion anpassen kann.

Doch wenn man 500’000 tests macht, so bedeutet dies statistisch, dass man eine sehr höhere Sicherheit für eine Statistische Aussage braucht. Und weil die Arrays für diese Technologie noch sehr teuer sind, können selten grosse Studien durchgeführt werden. Die statistischen Methoden für die Auswertung dieser neuen Technologien müssen zuerste noch entwickelt werden.


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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