Noroviren-Ausbruch Europaweit

In den letzten Wochen wurden einige Spitäler immer wieder mit einer Häufung von Patienten mit Norovirus-Infektioinen konfrontiert. Es handelt sich um eEine Norovirus-Saison, die zur Zeit ganz Europa betrifft.

Immer wenn wir von einer Häufung von Fällen mit Erbrechen und Durchfall hören, müssen wir an eine Noroviren-Infektion denken. Oft ist dies dann auch die Ursache dieser meist flüchtig verlaufenden, aber lästigen Infektionskranheit des Magen-Darm-Traktes.

Zunahme der Norovirus-Fälle in ganz Europa
Wie das BAG mitteilt (s. Mitteilungen BAG), bleiben wir auch diesen Winter nicht verschont von diesen lästigen Viren. Noroviren sind die häufigste nicht bakteriellen Ursache von Erbrechen und/oder Durchfall. Diesen Winter wurden in ganz Europa kleinere und grössere Epidemien von Noroviren beobachtet (Eurosurveillance.org). Wie die nebenstehende Abbildung zeigt, sehen wir dieses Jahr in Europa auch neuerre Genotypen und es sieht so aus, als ob wir diesen Winter noch mit einer deutlichen Zunahme der Norovirus-Fälle rechnen müssen.
Norovirus-Ausbrüche Europa Der Nachweis von verschiedenen Norovirus Genotypen ist allerdings nichts neues. Bereits vor einigen Jahren haben Kageyama et al berichtet, dass bei Noroviren-Ausbrüchen oft unterschiedliche Genotypen beteiligt sind. Noroviren sind somit äusserst heterogen, was auch zum Teil erklärt, weshalb wir uns fast jedes Jahr mit diesen jährlich wiederkehrenden Viren anstecken können.

Noroviren sind extrem kontagiös.
Es gibt zahlreiche Beispiele von Norovirus-Ausbrüchen auf Kreuzfahrtschiffen. Ist jemand erkrankt, so wird innert kürzester Zeit fast die ganze Belegschaft von der Infektion erfasst. Ein besonders „schönes“ Beispiel war die Untersuchung einer Epidemie nach einer Opernvorstellung (Evans et al, 2002). Ein Besucher musste während der Opernvorstellung in der Sitzrreihe und später auf der Toilette erbrechen. In der Folge konnten die Besucher der Oper, meist Abonnoments-Inhaber kontaktiert werden. Über 300 Personen wurden infiziert. Sogar Schüler, welche am nächsten Tag im gleichen Zuschauerraum sassen, wurden krank, was die besonders schwierige Desinfektion des Erregers demonstriert.

Die Schwierige Desinfektion des Erregers wurde auf Kreuzschiffen schon mehrmals beobachtet. Selbst nach einer gründlichen Desinfektion des gesamten Schiffes wurde die nachfolgende Crew und die Passagiere der nächsten Kreuzfahrt krank. Besonders eindrücklich der Bericht von einem Kreuzschiff, dessen Passagiere während 2 Jahren immer wieder an Norovirus-Infektionen erkrankten (Ho et al, Lancet 1989).

 

 

Für Spitäler und Heime ist die Kontrolle von Norovrien-Ausbrüchen eine besondere Herausforderung. Da auch das Personal gefährdet ist, und die Mitarbeiter bei einer Infektion mindestens 24 Stunden nach Abklingen der Symptomatik nicht zur Arbeit zurückkehren sollten, müssen Spitäler versuchen, sich vor diesen Infektionskrankheiten zu schützen. Am Kantonsspital St. Gallen wie auf anderen Stationen setzt die Spitalhygiene auf ein aktives Frühwarnsystem und die rasche Einführung von Isolations- und Desinfektionsmassnahmen.

Nachtrag:
Am 13. September 2007 ist im NEJM ein Review-Artikel zur Problematik der Noroviren-Infektionen erschienen welcher im Wesesentlichen diese Angaben bestätigt (Dolin, NEJM, 2007).


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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