Hepatitis-B-Impfschutz dauert sehr lange

Hepatitis B Impfschutz

Die Heptatitis-B Impfung sollte uns vor einer Infektion schützen. Doch selbst wenn die Antikörperantwort ungenügend ist, schützt die Impfung vor einer chronischen Infektion, wie eine kürzlich publizierte Studie aus Gambia zeigt.

Wenn wir uns impfen lassen möchten wir uns eigentlich gegen die Folgen einer Infektionskrankheit schützen. Noch besser ist es natürlich, wenn wir uns durch eine Impfung so gut schützen können, dass eine Infektion gar nicht erfolgen kann. Dies ist der Fall bei den meisten Impfungen gegen Kinderkrankheiten und in der Regel auch bei der Impfung gegen Hepatitis B. Man spricht in diesen Fällen von einer sterilisierenden Impfung.

Doch gerade bei der Hepatitis-B (HBV)-Impfung kommt es in etwa 5% der Geimpften nicht zum erwünschten Anstieg der Antikörper gegen HBs. In diesen Fällen sprechen wir von Non-Respondern. Als "low-Responder" gelten personen, die nach einer vollständigen Imfpung nur eine ungenügende Antikörperantwort entwickelten (10-99 IU/ml). Was aber eigentlich noch wichtiger ist als der Imfpschutz ist die Prävention der Folgekrankheiten der Hepatitis B, das Leberkarzinom und die Zirrohose. Diese Krankheiten treten bei chronischen HBV-Trägern auf. Wenn eine HBV-Imfpung also keine Infektion aber ein Trägertum verhindern kann, so ist dies ebenfalls eine nützliche Prävention.Abbildung van der Sande et al.

In der vorliegenden Studie aus Gambia wurden die Erfahrungen einer Impfstrategie von Neugeborenen über 20 Jahre zusammengefasst. Die Kinder aus zwei Dörfern wurden über 20 Jahre studiert. Da die HBV-Infektion dort endemisch ist, waren diese Kinder und Adoleszenten einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Eine Infektion mit HBV wurde durch eine Serokonversion gegen HBc dokumentiert. Somit konnte die Impfwirkung (vaccine-efficacy, VE) über die Jahre untersucht werden. Wie man aus nebenstehender Abbildung sieht, war die sterilisierende Wirkung der Impfung eindeutig abhängig von der Antikörperantwort nach der Impfung. Doch selbst die Gruppe der Low-Resonder wurde nach 16 Jahren nur in 40% der Geimpften mit HBV infiziert, was für Gambia ein gutes Resultat ist. 20 Jahre nach der Imfpung war der Impfschutz bei den Resondern 77% und bei allen Geimpften immer noch 71%. Dieses Resultat ist hervorragend. Man geht allerdings davon aus, dass die Geimpften durch die hohe HBV-Prävalenz immer einer natürlichen Boosterung durch HBV ausgesetzt waren.

Die Studie hatte noch einige weitere Interessante Resultate an den Tag gebracht: Etwa 5% der Geimpften waren primär non Responder. Von diesen wurden 8.6% zu sogenannten "Virusträgern" also chronisch infiziert. Unter den Resondern war die chronische Trägerrate nur noch 0.6%. Interessanterweise gab es aber auch relativ viel "vorübergehende" Träger. Ein Drittel der Träger hat nämlich in der Folge das HBs-Antigen wieder verloren. Noch interessanter die Beobachtung, dass auch 1/3 der Infizierten in der Folge das anti-HBc (Zeichen einer HBV-Infektion) wieder verloren hatten.

Es scheint so zu sein, dass die Impfung auch bei schlechtem Antikörper-Titer das Immunologische Gedächtnis doch noch stimuliert (vor allem zelluläre Immunantwort) und dass damit die Entwicklung eines Trägertums reduziert werden kann.

Quelle: Vander Sande et al, JID, 1.6.2006:193:1528


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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