Invasive Pneumokokkeninfekte

Pneumokokken befallen oft die oberen und unteren Luftwege (Otitis Media, Pneumonie). Neben der Pneumonie sind aber insbesondere invasive Infektionen gefährlich (Sepsis, Meningitis). Gleich zwei Arbeiten aus Europa und der Schweiz befassen sich mit der Epidemiologie der Pneumokokken.

Im Bulletin vom 3.7.06 werden die im 2004 gemeldeten Fälle von invasiver Pneumokokkeninfektion in der Schweiz zusammengefasst. Zusätzlich werden auch die Resistenzdaten und die Sentinella-Informationen über Pneumonie und Otitis Media aufdatiert.

Die Infektionen treten besonders in den Wintermonaten gehäuft auf und bei der Hälfte der invasiven Pneumokokken liegt mindestens ein Risikofaktor vor (v.a. Immundepression und chronische Lungenerkrankungen, Niereninsuffizienz und Diabetes mellitus).

Die Inzidenz von invasiven Pneumokokkenerkrankungen (Bakteriämie/Sepsis und Meningitis) nehmen etwas zu (14 Fälle/100’000). Auch wenn der Anteil an resistenten Pneumokokken leicht zunimmt, so ist doch die Resistenzsituation in der Schweiz noch relativ günstig (ca. 10% gegen Penicillin, 2% gegen Ceftriaxon und keine nennenswerte Resistenz gegen Ampizillin). Resistenzen gegenüber Cotrimoxazole ist häufiger als 20% und besonders der Serotyp 14 ist gegen Erythrocin resistent.

Mit der zunehmenden Resistenzrate wird auch die Frage immer wichtiger, wie häufig die Pneumokokken-Impfung die bei uns vorhandenen Pneumokokkenstämme abzudecken vermag. Für Erwachsene und Kinder ab 2 Jahren gibt es den 23-valenten Pneumokokkenimpfstoff (Polysaccharid). Dieser deckt etwa zwei Drittel der in diesen Altersgruppen vorkommenden Pneumokokken-Infektionen ab. Der 7-valente Konjugatimpfstoff, welcher bei Kindern unter 2 Jahren eingesetzt werden kann, deckt gut die Hälfte der invasiven Infektionen in diesem Alterssegment ab.

Die Frage des Einsatzes des hepatavalenten Impfstoffes für Kleinkinder hat auch Autoren eines Review-Artikels in der Juliausgabe des Lancet Infectious Diseases beschäftigt. Hier werden Europäische Inzidenzdaten von invasiven Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern < 2 Jahren zusammengestellt. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Inzidenzzahlen in Europa unterhalb denjenigen der USA liegen. Allerdings ist die Inzidenz mit 27/100’000 in Europa auch deutlich unter derjenigen der Schweiz (29/10^5). Es wäre auch denkbar, dass auch Unterschiede im Meldewesen vorliegen.

Die Europäischen Zahlen decken sich mit den Schweizer Daten bezüglich Abdeckungsgrad durch die Impfung und Resistenzrate gegenüber Penizillin (11%).

Quellen:
BAG-Bulletin, 3.7.2996, S. 516-22
Jefferson et al, Lancet ID, 2006; 6:405-10

Weitere interessante Informationen zu Pneumokokken und Impfung


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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