HIV, HCV und der weibliche Genitaltrakt

Eine Koinfektion mit HIV und HCV, wie sie bei zahlreichen Drogenabhängigen vorkommt, führt zur schnelleren Progression der beiden Erkrankungen. Inwieweit sich die Übertragbarkeit von HCV durch eine gleichzeitig bestehende HIV-Infektion verändert, wurde von Nowicki et al. untersucht.

HCV wird im Wesentlichen durch Nadeltausch bei IV-Drogenabhängigen übertragen. Das Risiko einer heterosexuellen Übertragung von HCV wird kontrovers beurteilt, ist aber sicherlich sehr gering. Sicher ist, dass beim Analverkehr ein relevantes Risiko besteht.

Liegt gleichzeitig mit der HCV-Infektion auch eine HIV-Erkrankung vor, so scheint sich das Transmissionsrisiko zu erhöhen. Dies gilt für männliche Partner infizierter Frauen sowie die intrapartale Übertragung von der Mutter auf das Kind. Bisher ist über die vaginale Ausscheidung von HCV allerdings noch wenig bekannt.

In ihrer Arbeit vom 1.11.2005 im Journal of Infectious Diseases untersuchten Nowicki et al. die Menge an HCV-RNA im Vaginalsekret bei HCV- und HIV/HCV-infizierten Frauen in einer Querschnittsuntersuchung. Dabei konnte HCV-RNA im Serum von 67% der koinfizierten und 46% der ausschliesslich HCV-infizierten Frauen nachgewiesen werden. Die Viruslast bei den koinfizierten Frauen war höher als bei den monoinfizierten. In der cervicovaginalen Lavageflüssigkeit von 31% der koinfizierten Frauen wurde HCV-RNA nachgewiesen, wohingegen keine der HCV-positiven/HIV-negativen Frauen HCV-RNA im Vaginalsekret ausschied. Bei zwei dieser Frauen wurde mittels eines sensitiveren, nicht kommerziell erhältlichen Assays HCV-RNA in geringer Menge im Vaginalsekret nachgewiesen. Die Ausscheidung von HCV-RNA korrelierte bei den koinfizierten mit der Plasmaviruslast. Ein weiterer statistisch signifikanter Faktor bei der Multivarianzanalyse war der Nachweis von HIV-RNA im Vaginalsekret. Die PCR der HCV-RNA zeigte, dass es sich zwar um nahe verwandte, aber nicht immer identische HCV-Virusvarianten handelte, so dass man von einer lokalen Replikation im  weiblichen Genitaltrakt ausgehen muss.

Somit scheint eine gleichzeitig vorliegende HIV-Infektion die Replikation von HCV-Viren im weiblichen Genitaltrakt zu begünstigen. Über die Ursachen spekulieren die Autoren: HIV könnte die Replikation von HCV über molekulare Mechanismen wie Zytokine fördern. Möglicherweise replizieren beide Viren in identischen Zellen. Hier würden sich Lymphozyten als Wirtszellen anbieten.

Das letzte Wort zu diesem Thema ist sicher noch nicht gesprochen, da es sich um kleine Patientinnenzahlen handelt, aber es ist doch ein weiterer Schritt zum Verständnis der HCV-Übertragung.

Quelle: Novicki et al, JID, 2005;192:1557-1565


Dr. med Anja Meurer

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