Spontanheilung von Chlamydien-Infekten

ChZykl.jpgSexuell übertragene Infektionen mit C. trachomatis verlaufen bei Männern meist und bei Frauen fast immer Ohne Symptome. Gefürchtet sind die Konsequenzen bei Frauen (Unfruchtbarkeit). Daher wird immer wieder ein Chlamydien-Screening gefordert, eine Massnahme, deren Effizienz (noch) nicht dokuementiert ist.

Chlamydien sind sicher die häufigste asymptomatische sexuell übertragbare Infektion (STI). Doch wir wissen nicht, wie oft Chlamydien spontan abheilen. Eine Studie aus 1979 (McCormack, 1979, NEJM) zeigte – allerdings mit Kulturmethoden – eine Spontan-Remission von ca. 50% nach einem Jahr. Eine von Holländern in Bogota durchgeführte Studie hat nun den Spontanverlauf einer Chlamydieninfektion über 5 Jahre beobachtet (Molano, JID 2005).

Diese Frage konnte nur in einer retrospektiven Analyse untersucht werden. Molano_CTtrach.jpgDie Studie war nämlich ursprünglich in den frühen 90er Jahren geplant als eine Beobachtungsstudie zum Verlauf der cervikalen HPV-Infektion. Aus tiefgefrorenen Cervixabstrichen wurde mittels PCR eine Chlamydieninfektion gesucht. Unter den über 2000 Frauen fanden sich 82 Frauen mit einer Chlamydieninfektion, welche die Einschlusskriterien dieser retrospektiven Analyse erfüllten: Kein Nachweis einer Cervixdysplasie und mindestens eine Follow-up Untersuchung.

Die 82 Frauen wurden während einer mittleren Beobachtungszeit von 5.7 Jahren beobachtet. Mehr als die Hälfte war über 30 Jahre alt. Die meisten Frauen (89%) berichteten über nur einen Sexualparnter im Leben und etwa die Hälfte hatte schon ein Kind geboren.

Interessant ist nun der Follow up. Wie die nebenstehende Kaplan-Meier-Analyse deutlich zeigt, fand sich bei der Mehrzahl (94%) der Frauen eine Spontanremission der cervikalen Chlamydieninfektion (PCR). Nach einem Jahr war bei der Hälfte der Frauen die Infektion ausgeheilt, nach 2 Jahren waren es etwa 80%. Die Spontanremission erfolgte signifikant seltener bei Frauen, welche schon vor dem Alter von 17 Jahren ihren ersten Sexualkontakt hatten (Remissionsrate 4.3x häufiger bei Frauen mit erstem Sexualkontakt >20 vs. <17 Jahren).

Eine Antibiotikaeinnahme (mit anderer Indikation) war nicht der Grund für die sponanremission. Wie schon frühere Untersucher zeigen konnten (Dean et al. JID, 2000), fanden auch diese Autoren eine etwas geringere Remissionsrate bei den Serovars der Gruppe C (serovar H, I, J, K) und auch Gruppe B.

Chlamydieninfektionen finden sich häufiger bei jungen Frauen. Die Resultate dieser Untersuchung untermauern diese epidemiologische Beobachtung. Sollten wir uns nun trotz der hohen Spontanheilungsrate doch noch für Screeninguntersuchungen interessieren, wäre es wohl sinnvoll, diese vor allem auf junge, sexuell aktive Frauen (und deren Partner) zu fokussieren.

Quelle: Molano et al. JID, 2005;191:907-16


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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